Mordprozess Calden beginnt am Mittwoch: Angeklagter im Ort ein Unbekannter

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Hier lebte der mutmaßliche Täter: Seine ehemalige Wohnung ist wieder vermietet.

Fürstenwald/Ehrsten. Der Mordprozess gegen einen früheren Wachmann aus Ehrsten beginnt am Mittwoch. In den Caldener Ortsteilen wird man das Geschehen besonders genau verfolgen.

In den kleinen Orten Fürstenwald und Ehrsten kennt man sich. Der Bäcker weiß, wer bei ihm Brötchen holt, der Spaziergänger, wer ihm auf dem Feldweg mit dem Hund entgegenkommt. Doch einem Mann stand offenbar niemand nahe: dem ehemaligen Wachmann der Caldener Flüchtlingsunterkunft, der am 10. Februar auf einem Feldweg zwischen Ehrsten und Fürstenwald seinen Arbeitskollegen in den Kopf geschossen und ihn so getötet haben soll. Er steht ab Mittwoch wegen Mordes vor Gericht. Die Verhandlung beginnt um 14 Uhr in Saal D 130 des Landgerichts Kassel.

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Dass der mutmaßliche Täter im Ort unbekannt ist, ist kein Wunder. Er kommt aus Frankfurt, in Ehrsten hat der 25-Jährige nur kurz gewohnt. „Die meisten kennen ihn nicht, man hat noch nicht einmal ein Gesicht vor Augen“, sagt zum Beispiel Jörg Jakob, Inhaber der Bäckerei in Fürstenwald. Geschockt habe der Vorfall im Februar dennoch. „Es ist schon sehr ungewöhnlich, dass so etwas in einem kleinen Ort passiert.“

Seitdem habe sich etwas verändert. Die Sinne der Einwohner seien geschärfter, „sie sind empfindlicher geworden“. Jakob, der eine zwölfjährige Tochter hat, „ist seitdem mulmig zumute, wenn sie allein mit dem Fahrrad unterwegs ist.“

Bei Familie Frey aus Ehrsten ist die Tat kurz vor Beginn der Verhandlung zu Hause wieder Thema. „Mein Sohn hat mir erzählt, dass der Prozess beginnt. Wir werden ihn in der Zeitung verfolgen,“ sagt Heidi Frey. Das größere Interesse in Ehrsten und Fürstenwald gilt einer anderen Straftat: dem Tod von Ellen L. aus Ehrsten. Sie war am 14. Februar in einem Graben an einem Feldweg zwischen den Caldener Ortsteilen Westuffeln und Meimbressen gefunden worden. Laut Polizei war sie angefahren, dabei tödlich verletzt und dort abgelegt worden. „Da Ellen L. im Ort bekannt war, beschäftigt dieser Fall die Menschen weitaus mehr“, sagt Ehrstens Ortsvorsteher Axel Träger. „Der Wachmann war im Ort nicht bekannt und der mutmaßliche Täter wurde sofort von der Polizei geschnappt – das sind die Unterschiede.“ Die Todesumstände von Ellen L. sind dagegen bis heute nicht geklärt.

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