Subventionen: Ohne Unterstützung wären viele Leistungen unerschwinglich

"Nordhessen tut der Kassel Airport gut" - Flughafen als öffentliche Daseinsvorsorge

Kassel. Die Finanzierung von Freizeit- und Kulturangeboten sowie öffentlichem Personennahverkehr durch staatliche Zuschüsse ist unverzichtbar.

Anders könnte das für die Attraktivität einer Kommune oder eines Landstrichs notwendige Angebot nicht aufrechterhalten werden, und weite Bereiche der Bevölkerung wären von Kultur und gesundheitsfördernden Freizeit- und Sportangeboten abgeschnitten.

Denn eine Theaterkarte in Kassel kostete ohne staatliche Unterstützung statt zehn bis 40 um 150 Euro. Ein Freibad- und Museumsbesuch wäre mit zehn Euro (Einzelkarte) beziehungsweise zehn bis 20 Euro selbst für Normalverdiener kaum erschwinglich.

Dagegen ist der Deckungsbeitrag im öffentlichen Personennahverkehr recht hoch. Die Subvention je Fahrgast ist überschaubar, nur hier summiert sich der Zuschussbedarf wegen der hohen Passagierzahlen zu zweistelligen Millionenbeträgen. Aber auch hier gilt: Die Bewegungsfreiheit innerhalb einer Stadt und Region muss für alle sozialen Schichten bezahlbar sein. Und ebenso wichtig: der ökologische Aspekt. Je mehr Menschen Busse und Bahnen nutzen, desto geringer Umweltverschmutzung und Lärm.

Bei Regionalflughäfen allerdings scheiden sich die Geister. Ob sie in der aktuellen Dichte sein müssen, ist eine berechtigte Frage. Im Falle des Airports Kassel erst recht. Denn Nordhessen hatte auch vor dessen Neubau mit den Flughäfen Paderborn und Dortmund, die von Kassel mit dem Auto in 55 beziehungsweise 90 Minuten bequem zu erreichen sind, eine sehr gute Nahversorgung. Und nach Hannover und Frankfurt bietet sich die Deutsche Bahn mit den schnellen ICE-Verbindungen an.

Das mag ein Grund dafür sein, dass Kassel-Calden sehr viel kontroverser diskutiert wird als etwa die umliegenden Regionalflughäfen. In Dortmund gibt es kaum Diskussionen, obwohl der Airport dort im vergangenen Jahr 17,4 Millionen Euro Minus gemacht hat. Und auch in Ostwestfalen und Erfurt gibt es im Grundsatz kaum Debatten um die Defizite der betreffenden Flughäfen (siehe Grafik).

Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer hält trotz aller Kritik am Flughafen fest. „Nach drei Jahren kann ich ganz klar feststellen, dass sich der Ausbau gelohnt hat. Nordhessen tut Kassel Airport gut“, sagte er anlässlich seines Besuchs in Calden vor einer Woche und verwies auf die ermutigenden Frachtzahlen.

Gegenüber 2014 verdreieinhalbfachte sich das Aufkommen auf gut 168 Tonnen. In diesem Jahr könnten es bis zu 2000 Tonnen werden. Der Start sei schwierig gewesen, auch wegen der Insolvenz zweier Fluggesellschaften, sagte Schäfer in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender der Betreibergesellschaft. Aber ein neuer Airport brauche Jahre, bis er sich etabliert habe.

Er betrachte den Flughafen als Infrastrukturmaßnahme und öffentliche Daseinsvorsorge für eine ganze Region. Er habe ihn nie unter Renditegesichtspunkten diskutiert. Gleichwohl müsse das Ziel eine schwarze Null sein, sagte er.

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