"Das geht Sie nichts an"

HNA-Test am Flughafen Calden: Schüler fliegen vor Ferienbeginn in den Urlaub

Calden. Um Kosten bei der Urlaubsreise zu sparen, lassen Eltern schon mal ihre Kinder ein paar Tage vor Ferienbeginn aus der Schule.

Schulschwänzer haben gerade vor den Sommerferien Konjunktur.

Auch am Flughafen Kassel-Calden starteten diese Woche viele junge Menschen mit ihren Eltern in Urlaubsgebiete - einige von ihnen waren tatsächlich aus Hessen.

„Entschuldigung, gehst Du in Hessen zur Schule?“ Diese Frage kam trotz Urlaubsstimmung und freundlichem Ton nicht immer gut an. Während einige der Kinder und Jugendlichen so taten, als wenn sie nichts gehört hätten, gaben andere auch schon mal ein genervtes „Nein“ von sich. Weiteres Bohren erübrigte sich da schnell.

Zur Oma in die Türkei

Doch es gab auch Ausnahmen - Kinder, die bereitwillig zugaben, dass sie eigentlich noch Unterricht hätten. Da war etwa ein Achtjähriger aus Kassel, dem die Nachfrage sichtbar peinlich war. „Ich fliege heute mit meiner Familie zu meiner Oma in die Türkei“, verriet der Grundschüler. Dass alles rechtens sei, ihr Bruder eine Genehmigung vom Direktor hätte, erklärte darauf hin seine Schwester und beendete das Gespräch.

Mehr als ein zustimmendes Kopfnicken war hingegen von einem Mädchen im Grundschulalter nicht zu bekommen. Mit Nachdruck schob ihre Mutter sie in Richtung Terminal, wo sich die kleine Familie am Mittwoch Richtung Mallorca aufmachte. Auch ein aggressives „Geht Sie nichts an“ eines Vaters von zwei jugendlichen Töchtern, gehörte zu den Antworten.

Ausgedünnte Klassen

Gesprächiger sind Reisende aus den Nachbar-Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen: Dort sind bereits Ferien. Schwänzen sei gar nicht so selten, sagen einige. Natürlich seien die Klassen vor Ferienbeginn oft recht ausgedünnt - dies sei zumindest bei ihnen in Dortmund so, erklärte eine Mutter zweier schulpflichtiger Kinder und ergänzte, dass es meist darum gehe, günstigere Flüge zu buchen.

Auch in Niedersachsen ist Schwänzen vor den Ferien nichts Ungewöhnliches, allerdings soll es dort nicht einfach sein.

„Die Schulen haben das inzwischen mitbekommen und verlangen ein ärztliches Attest, sonst bekommt man großen Ärger“, verrät eine Göttingerin. Kinder mit ausländischen Wurzeln würden auffallend oft in der letzten Schulwoche fehlen, sagen andere. „Das liegt daran, weil die ganze Familie günstig ihre Verwandten besuchen will“, so die Aussage eines Vaters aus Lippe.

Einige geben bereitwillig zu, die eigenen Kinder zum Schwänzen animiert zu haben. „Ich habe das früher einige Male gemacht - meine fünf Kinder haben dennoch alle Abitur“, sagt eine Kasselerin. Auch eine Mutter aus Hann. -Münden gesteht. „Einen Tag vor Ferienbeginn habe ich das mal bei meinem Sohn zugelassen, doch ich hatte damals ein so schlechtes Gewissen.“

Auch wenn kurz vor den Ferien fast überall kein regulärer Unterricht mehr stattfindet, solle man so was nicht tun, sagt sie.

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