Unkoordinierte Ausgabe auf Firmengelände am Flugplatz

Verteilung von Kleidung: Parkplatz in Calden verdreckt

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Calden. Mehrere 100 in Calden untergebrachte Flüchtlinge wurden über Privatkanäle mit Kleidung versorgt. Was nicht benötigt wurde, wurde weggeworfen.

Völlig verdreckt wurde der Parkplatz der Firma Denk am alten Caldener Flughafen hinterlassen. Eine gute Stunde zuvor waren mehrere Autos, vollgepackt mit Kleidung auf den Firmenparkplatz gefahren. Die Türen wurden geöffnet, Flüchtlinge stürzten sich auf die blauen Kleidersäcke, suchten heraus, was sie brauchen konnten und ließen den Rest zurück. Wenig später fuhren auch die Pkw wieder ab - der Unrat blieb zurück.

Seit vergangener Woche, so schreibt der Geschäftsführer der Firma, Wolfgang Denk, an unsere Zeitung, werde der Privatparkplatz für die Kleiderverteilung genutzt. An und für sich hätte er nichts dagegen - würde der Parkplatz wieder ordnungsgemäß verlassen. Doch das sei nicht der Fall. Deshalb habe er den betreffenden Kleiderverteiler („ob es Privatleute sind oder ein Firma, weiß ich nicht“) verboten, den Parkplatz zu nutzen. Vergebens.

Immer wieder, teils auch nach Geschäftsschluss, kämen die Klamotten-Autos. Die Aktion, so mutmaßen Mitarbeiter der Firma, muss gut organisiert sein. Vermutlich per Handy würden von Flüchtlingen Kleidungswünsche an Verwandte oder Bekannte, die schon in Deutschland leben, gesandt. Die organisieren dann die Kleidungstransporte, so eine Erklärung. Kaum sind die Autos in Calden, kämen teilweise bis zu 300 Flüchtlinge und würden die Kleidersäcke durchwühlen - und das nicht Benötigte zurücklassen. „Unsere Kunden werden dadurch abgeschreckt“, fürchtet Denk, dessen Firma Werkzeuge vertreibt.

Das Regierungspräsidium sei informiert, Hilfe habe er bislang nicht erhalten. Etwas Unterstüztung erhielt die Firma jetzt von der Gemeinde. Der Bauhof säuberte den Parkplatz. Bürgermeister Maik Mackewitz war auch vor Ort und sichtlich getroffen.

Verteilung von Kleidung an Flüchtlinge: Parkplatz in Calden verdreckt

„Komplett verdreckt“, so sein Urteil. Gestern schickte er Mitarbeiter des Bauhofs, um aufzuräumen. Die Kosten werde das Regierungspräsidium übernehmen. Mackewitz: „Das ist unstrittig.“ Das Grundproblem seien aber die Transporte. Nach seiner Einschätzung wäre eine bestimmte Gruppe der Zeltstadt informiert gewesen und hätte die Kleidung geholt. Das könne dann in der Zeltstadt zu Problemen führen, wenn ein Teil der Flüchtlinge deutlich besser ausgestattet sei als der andere. Und zum Ärger in der Zeltstadt kommt der Ärger mit dem Müll.

Auch die Mitarbeiter der Firma Denk, die jetzt darüber nachdenkt, den Parkplatz einzuzäunen, fürchten, dass solche Vorfälle dazu beitragen könnten, die grundsätzlich positive Einstellung der Caldener zur Zeltstadt und deren Bewohner zum Kippen zu bringen. „Die Zündschnur wird kürzer“, drückt es ein Mitarbeiter drastisch aus, wobei er hofft, dass es nicht zu einer wirklich explosive Stimmung kommt.

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