Die Ewigkeitsbaustelle: Vor 15 Jahren begann die Planung

Eingepackt: Über zwei Jahren dauert die Sanierung bereits. Erst nächstes Jahr wird mit einer Fertigstellung gerechnet. Foto: Thiele

Grebenstein. Die Sanierung des Ortsbild prägenden Gebäudes an der Grebensteiner Bahnhofstraße soll im Sommer nächsten Jahres abgeschlossen sein.

Das sagt der Geschäftsführer der Philippstiftung Immenhausen, Wilfried Gründel. Die Stiftung ist seit Anfang des Jahrhunderts Eigentümerin des Areals und hat im hinteren Bereich bereits ein Gebäude für betreutes Wohnen errichtet. Das läuft seit Jahren. Nur an der Schokoladenseite des Areals rührt sich derzeit nichts.

?Seit Wochen sind kaum Arbeiter zu sehen oder die Baustelle ruht ganz. Ist dem Bauherren das Geld ausgegangen?

!Nein. Aber die Arbeiten könnten nur nach und nach ausgeschrieben werden, sagt der Bauherr. Bei der Sanierung eines alten Gebäudes sei nicht alles kalkulierbar. Da das Projekt mit öffentlichen Mitteln gefördert wird, müsse man sich an die dort gültigen Vorschriften halten. Das bedeutet, dass zwischen Ausschreibung und Vergabe 54 Tage liegen.

?Wie viele Zuschüsse bekommt die Philippstiftung?

!Viele. Insgesamt wird die Sanierung knapp drei Millionen Euro kosten. Der Eigenanteil beträgt 700 000 Euro. 1,1 Millionen kommen von der Stadt, 1,3 von Land und Denkmalschutz.

?Warum muss das Gebäude saniert werden?

!Die Statik war nicht mehr in Ordnung.

?Wann begannen die Planungen?

!Erste Gespräche gab es im Herbst 2001. Es gab allerdings immer wieder Verzögerungen und Umplanungen, weil der Bauherr ein Maximum an öffentlicher Förderung erhalten wollte. An der Stadt lag dies nicht. Die hatte von Anfang an ihre Zuschusszusage gegeben.

?Warum zahlt die Stadt für eine Privatinvestition?

!Weil das Gebäude mitten in der Stadt steht und das Ortsbild prägt. Zudem wird die Stadt durch eine sinnvolle Nutzung aufgewertet.

?2001 begannen die Planungen, 13 Jahre später kamen erst die Baumaschinen? War das Schielen nach Förderungen der einzige Grund für die lange Zeit?

!Nein. Das Fachwerkgebäude wurde auch von zahlreichen Experten im Vorfeld untersucht. Jeder Balken wurde unter die Lupe genommen, Wände aufgestemmt, der Boden untersucht. Und auch mit der Denkmalpflege musste alles abgestimmt werden.

?Lief in der Bauphase alles nach Plan?

!Ja und Nein. Die meisten Schwierigkeiten waren schon im Vorfeld erkannt worden, bei Kleinigkeiten musste aber immer wieder improvisiert werden. „Das hat etwa drei Monate Verzögerung gekostet“, schätzt Gründel

?Ist das der einzige Grund, dass die Sanierung so lange dauert?

!Nein. Es gibt, so ist in Grebenstein zu hören, auch Probleme mit dem Architekten. Gründel äußert sich dazu nicht. Bekannt ist, dass der Bauherr ursprünglich ein ihm vertrautes Büro beauftragen wollte. Dass es dazu nicht kam, soll am Wunsch der Wiesbadener Geldgeber gelegen haben. Der dann beauftragte Architekt sei fachlich hervorragend, heißt es, allerdings hätte er gesundheitliche Probleme gehabt, worunter der Baufortschritt in Grebenstein litt. Drei Monate Verzögerung hat dies in etwa gekostet.

?Wird die Sanierung durch die längere Bauzeit teurer?

!Etwas, sagt Gründel. Er rechnet insgesamt mit 150 000 Euro, die in den drei Millionen allerdings schon eingerechnet sind.

?Hat die Verzögerung noch andere Auswirkungen?

!Ja. Eine Physiotherapiepraxis, die im Erdgeschoss einziehen wollte, ist inzwischen abgesprungen, weil es zu lange gedauert hat.

?Was sagt der Bauherr zu den Verzögerungen?

!Winfried Gründel ist sichtlich zwiegespalten. Auf der einen Seite ist seine Verärgerung nicht zu übersehen. Auf der anderen sagt er: „Lieber machen wir es richtig und ordentlich. Und es wird schön. Eine richtige Katastrophe wäre es, wenn es uns ginge wie der Stadt bei der Zehntscheune.“ Die musste kurz nach der Sanierung wegen Schimmelbildung abgerissen werden.

?Von außen ist nicht viel vom Baufortschritt zu sehen. Hat sich im Inneren etwas getan?

!Ja. Die Räume der Tagespflege und des Arztes in den Obergeschossen nehmen schon deutlich Kontur an.

?Was wurde denn alles gemacht?

!Die Statik in Ordnung gebracht, beispielsweise mehrere T-Träger durch alle Geschosse verlegt. Um den Untergrund stabil zu bekommen, mussten 90 Pfähle ins Erdreich gerammt werden. In Handarbeit wurden 150 Kubikmeter Erdreich ausgegraben. Ein Gewölbekeller wurde verfüllt, ein weiterer bleibt zugänglich. Zudem wurden viele Zwischenwände entfernt. Ein Teil blieb erhalten, die Steinmauern müssen teilweise auch nach der Sanierung sichtbar sein. Alle Balken wurden saniert, Lücken, die sich durch Biegungen des Holzes ergaben, mit Beton ausgegossen.

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