Vom Feld in die Flasche: Grebensteiner Bauer baut Braugerste an

Nach vielen Arbeitsschritten wird aus dieser Gerste Bier: Michael Kohlscheid, Geschäftsführer der Warburger Brauerei (links) und Landwirt Gerhard Austermühle auf einem Feld an Halser Höhe in Grebenstein. Foto:  Pflug

Grebenstein. Sanft wiegen sich die Halme der Gerste auf dem Feld an der Halser Höhe im Wind. Was hier wächst, ist nicht etwa für Tierfutter bestimmt, sondern für die Brauerei.

Das Feld gehört Gerhard Austermühle und seit drei Jahren baut der Grebensteiner hier Braugerste an.

Die Idee kam Austermühle nach dem harten Winter vor drei Jahren. Damals war ein großer Teil des Wintergetreides zerstört worden und Austermühle war auf der Suche nach einem Sommergetreide, was er anbauen konnte. „Über den Landwarenhandel Rörig-Hartig kam der Kontakt zur Warburger Brauerei Kohlschein zustande“, sagt Austermühle. Die kleine mittelständische Brauerei lege viel Wert darauf, möglichst viele der Rohstoffe für ihr Bier aus der Region zu bekommen, sagte Brauerei-Geschäftsführer Michael Kohlschein. Etwa 50 Prozent der Zutaten stammen laut Kohlschein aus dem Dreieck zwischen Kassel, Paderborn und Göttingen.

Für Landwirt Austermühle hat der Anbau auch einen sentimentalen Wert: „Ich erinnere mich noch daran, dass mein Vater und Großvater Braugerste angebaut haben“. Für ihn ist der Anbau daher auch eher ein Hobby. Denn die Sommergerste ist nicht so ertragreich wie etwa Wintergerste. Das ist auch einer der Gründe, warum der Anbau von Sommergerste in den vergangenen Jahrzehnten im Kreis und im Land Hessen zurückgegangen ist, sagt Stefan Strube vom Kreisbauernverband. Aber der Anbau habe auch viele Vorteile. Die Ernte- und Saat zeit werde zum Beispiel entzerrt. Sommerkulturen erlaubten außerdem den Anbau von Zwischenfrüchten über den Winter und Flächen müssen im Sommer nicht brachliegen. Außerdem kommt die Braugerste mit kargen Böden aus und ist nicht so arbeitsintensiv, erklärt Kohlschein.

Karge Böden heißt in diesem Fall verwitterte, tonhaltige Kalkstein- und Kreideböden, die sich im Frühjahr schnell erwärmen, erklärt Strube. Ein weiteres wichtiges Kriterium sei gute Wasserverfügbarkeit. 30 Liter Wasser werden pro Tonne Gerstenertrag im Anbauzeitraum benötigt.

In sechs bis zehn Tagen wird die Grebensteiner Braugerste geerntet. Die Erwartungen an die Ernte sind gut, sagt Austermühle. Der erwartete Gerstenertrag auf der 4,25 Hektar großen Fläche liegt bei ungefähr 15 Tonnen. Genug für 1000 Hektoliter Bier oder 303 000 Flaschen Warburger Pils, rechnet Kohlschein vor.

Bevor die Gerste jedoch zu Bier wird, geht sie erst auf eine Reise. Vom Feld geht es zur Sammelstelle nach Liebenau und von da zur Mälzerei nach Thüringen. Das Malz wiederum wird dann in die Warburger Brauerei geliefert. Die braut daraus neben den Warburger Bieren auch das Grebensteiner Landbier. Das bekommt man beim Bierverlag Kramm und im Bistro in Grebenstein. „Und das schmeckt - natürlich - sehr, sehr gut“, sagt Landwirt Austermühle und lacht.

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