Inhaber sehen Existenzgefahren nach Entscheidung des EuGH

Apotheker entsetzt über Gerichtsurteil

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Apotheker Lutz Mohr und Kundin Gabriele Richter.

Hofgeismar. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die deutsche Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente gekippt. Das bedeutet, dass ausländische Versandapotheken die in Deutschland geltenden Festpreise unterbieten dürfen. Apotheken-Inhaber im Keisteil Hofgeismar reagieren darauf mit Entsetzen.

„Das ist brandgefährlich“ sagt Dr. Ulrich Roesrath, Inhaber der Rosen-Apotheke in Bad Karlshafen. „Das Urteil ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Trotz der starken Kundenbindung auf dem Land könne man nicht sagen, wie die Verbraucher auf günstigere Preise im Internet reagieren. „Wir hoffen, dass die Kunden weiter zu uns kommen und unsere Beratung vor Ort zu schätzen wissen.“

Stephan Parzefall, Inhaber der Hubertus-Apotheke in Hofgeismar, sieht schwarz für die Zukunft der Apotheken. „Kleinere Apotheken haben jetzt schon Probleme, durch das Urteil werden sie es noch schwerer haben oder sogar schließen müssen.“ Das passiere nicht von heute auf morgen, sei aber ein schleichender Prozess. „Die Bindung zu den Kunden ist da, aber die Strukturen werden sich ändern“, so Parzefall. Er befürwortet ein Versandhandelverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel, das zurzeit in der Politik als Reaktion auf das EuGH-Urteil im Gespräch ist.

Heike Sievert-Walter, Filialleiterin der Hofgeismarer Brunnen-Apotheke, findet es noch zu früh, die Folgen vorauszusehen. Die Probleme, die mit der gekippten Preisbindung einhergehen könnten, kann sie dennoch erahnen. „Die ältere Generation weiß die Beratung vor Ort zu schätzen, diese Kunden werden weiterhin zu uns kommen. Bei der nächsten Generation sieht das wahrscheinlich anders aus.“

Die Versorgung werde damit auf dem Land mittelfristig ausgedünnt, sagt Lutz Mohr, Inhaber der Löwen-Apotheke in Grebenstein.

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