Kreis Kassel: Intensive Betreuung von Flüchtlingen als Mittel gegen Radikalisierung

Symbolfoto: dpa

Hofgeismar. Enge Betreuung und persönlicher Kontakt statt Großunterkünfte: So hofft der Kreis Kassel die Radikalisierung von Flüchtlingen zu verhindern.

Wegen der kleineren Wohnheime und des Schlüssels von einem Betreuer pro 50 Flüchtlinge haben die Mitarbeiter des Landkreises deutlich engeren Kontakt zu den Bewohnern, als es in den mehrere Hundert Personen fassenden Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes möglich ist. Das ist die Kernaussage von Kreispressesprecher Harald Kühlborn zur Frage, wie man mögliche gefährliche Entwicklungen in den Einrichtungen im Blick behalten könne.

Grundsätzlich müsse man zwischen Personen unterscheiden, die psychisch auffällig werden und solchen, die aggressives Verhalten zeigen, erklärt Kühlborn. Man könne zwar nicht in die Menschen hineinsehen und nichts völlig ausschließen, doch bei einem Betreuer für 50 Flüchtlinge in den Kreiseinrichtungen könne man Probleme gut mitbekommen. „Da fällt das eher auf, als wenn sich einer um 200 Personen kümmern muss“, sagt Kühlborn und verweist auf die Beratungsstellen des Gesundheitsamtes, in denen man sich um Fälle etwa von Depression kümmere. Dort vermittele man sie dann an Experten weiter. Lediglich für die Behandlung von Traumata, die auch vorkämen, gebe es in der Nähe keine ausgewiesenen Fachleute.

Wenn es zu aggressivem Verhalten komme, dann werde auch die Polizei eingeschaltet, um klare Ansagen zu machen und strafrechtlich relevante Fakten festzustellen. Die Abschiebung könne dabei eine der Konsequenzen sein.

Bei Gewalttätigkeiten in Gruppen würden diese Personen getrennt und in verschiedenen Einrichtungen untergebracht. „Das sind Einzelfälle, aber sie kommen vor“, räumt Kühlborn ein. Ein weiterer Fall sei aufbrausendes Verhalten, das oft eine durch die Biografie der Betroffenen bedingte Überreaktion sei. Es habe schon Auseinandersetzungen in einer Küche gegeben, wo eine Situation eskaliert sei, die unter Einheimischen ganz normal abgelaufen wäre.

Ungewohnter Alkohol

Ein weiteres Problem sei der Alkoholgenuss, der - wie jüngst beim Wolfhager Viehmarkt - zu Konflikten führen könne. Viele Moslems seien Alkohol nicht gewohnt und vor allem nicht, dass er so leicht zu bekommen ist.

Was die Radikalisierung angehe, so achte man schon darauf, ob sich eventuell jemand zurückziehe und anders verhalte als sonst und nur noch über religiöse Inhalte rede: „Bei so einem Hinweis gucken wir genauer hin.“ Größere salafistische Agitationen habe man noch nicht beobachtet, da sei das Risiko in großen Einrichtungen höher. Auch bei den Lehrern, die unter anderem Deutsch unterrichten, achte man auf deren Hintergrund. Es habe Problemfälle gegeben, aber die wurden rasch entfernt. Sobald die Flüchtlinge aber eigene Wohnungen beziehen, bleiben die Kontakte zwar noch bestehen, doch die Kontrolle greife irgendwann nicht mehr.

Man habe den Blick auf das Risiko, so Kühlborn, aber 100-prozentige Sicherheit könne es nicht geben.

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.