Nach Gesetzesänderung

Styropor-Aufträge gehen auch in Hofgeismar in die Warteschleife

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Unser Foto zeigt Klaus Hagedorn, Mitarbeiter der Abfallentsorgung des Kreises, mit Styropor im Bauschutt auf der Mülldeponie bei Hofgeismar.

Hofgeismar. Seit Anfang Oktober macht die Styroporentsorgung auch den Dachdeckern rund um Hofgeismar zu schaffen.

Polystyrolplatten, die meist zur Wärmedämmung eingesetzt werden, enthalten das giftige HBCD (Hexabromcyclododecan), ein Schadstoff, der per EU-Verordnung neuerdings als Sondermüll in Spezialanlagen verbrannt werden muss. Bisher wurden die Dämmplatten mit anderem Müll verbrannt. Das ist jetzt nicht mehr möglich. 

„Bis Oktober war die Entsorgung einfach für uns – das Styropor wurde unter den Bauabfall gemischt und das HBCD bei der Verbrennung zerstört“, erklärt Dachdeckermeister Alexander Stoyhe (Hombressen). Kleine Mengen aus Haushalten sind nicht betroffen. Doch die Monochargen mit großen Mengen sorgen nach der Gesetzesänderung nun für Probleme - im Fall des Kasseler Müllheizkraftwerks etwa können diese dort aus technischen Gründen nicht angenommen werden. 

Sonderregelung hilft kaum 

Um den Handwerkern entgegenzukommen, hat das Hessische Umweltministerium noch im Oktober einen Erlass verabschiedet, der die Situation entschärfen sollte. „Eine Tonne Bauabfall darf nun 0,5 Kubikmeter Polystyrol enthalten“, sagt Jörg Hetzel von der Abfallentsorgung Kassel. Dieses sei eine recht kleine Menge. Dies helfe nicht, wenn ein ganzes Dach oder eine Hausverkleidung erneuert werde, bei dem der giftige Dämmstoff verarbeitet worden ist. 

Doch wie gehen Handwerker mit der aktuellen Situation um? „Aufträge, wo größere Mengen des Stoffes anfallen, muss ich absagen“, bemerkt Dachdecker Klaus Gunkel (Bad Karlshafen). Wenn es möglich sei, würde er in solchen Fällen einen Aufschub empfehlen, denn er hofft, dass „für diese Sache bald eine Lösung gefunden wird.“ Glücklicherweise käme dieses giftige Styropor in großen Mengen eher selten vor. 

Auch sein Kollege Jens Köster (Gottsbüren) ist ratlos: „Derzeit habe ich zwei solcher Fälle, wo wir erstmal abwarten müssen. Lagern können weder der Kunde noch ich Styropor in solchen Mengen.“ 

Es gebe zwar Entsorger im Bundesgebiet, doch die nähmen so horrende Preise, dass die kein Kunde zahlen wolle. In Hessen gebe es keine Deponie, die diesen Stoff derzeit annehme. Köster hat sich deshalb beim Umweltbundesamt schlau gemacht: „Sie haben mir gesagt, dass sie bis Weihnachten eine Lösung finden wollen – zwei hessische Deponien sollen bisher Konzepte eingereicht haben.“ Irrsinnig findet der Dachdeckermeister zudem, dass „bis zu diesem Frühjahr Polystyrolplatten noch verbaut werden durften und zwar solche aus Restbeständen – das war damals beim Asbest genauso.“ 

Chaos selbst verschuldet 

Auch Alexander Stoyhe sorgt die Lage. Bei ihm käme bisher der giftige Stoff nicht allzu oft vor, doch Flachdachsanierer in anderen Teilen Hessens stünden vor der Kurzarbeit, sagt der 31-jährige Unternehmer und ergänzt: „Das anhaltende Entsorgungschaos im Bau ist gänzlich selbst verschuldet, der Erlass nicht durchdacht gewesen. Wenn man eine Entscheidung zum Gesundheitsschutz trifft, welche richtig ist, dann sollte man auch eine funktionierende Lösung präsentieren“. 

Maler Thomas Ewers (Grebenstein) hatte seit der Neuerung noch keine Engpässe: „Die meisten Häuser wurden erst in den vergangenen Jahren gedämmt – deshalb werden nur sehr wenige Dämmungen bisher erneuert.“ In rund zehn Jahren stünde das Thema groß an – dann werde es Unmengen des giftigen Stoffes zu entsorgen geben.

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