Knapp 70 Euro pro Person

Vorrat für zehn Tage: Ministeriums-Einkaufszettel für Notration im Test

Leberwurst und Aprikosen: An der Supermarkt-Kasse in Hofgeismar schlägt die Stunde der Wahrheit beim Hamsterkauf. Kassiererin Sandra Ziegeler hat fast 70 Euro auf dem Bildschirm. Foto: Hartmann

Hofgeismar. Auf der Liste für die mögliche Apokalypse stehen Zwieback, viel Dosenfutter und etwas Frischobst. Wir waren in Hofgeismar einkaufen.

Die Bundesregierung empfiehlt, dass jeder Bürger für den Ernstfall einen Lebensmittel-Vorrat anlegt.

Mit dem Vorratskalkulator des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft kann sich jeder seinen persönlichen Notvorrat berechnen lassen. Das Programm ist auf der Internetseite des Ministeriums zu finden. Die eiserne Reserve für den Katastrophenfall sollte für zehn Tage reichen, heißt es in Berichten zum neuen Zivilschutzgesetz der Bundesregierung. Die Kosten, bei einem Testeinkauf streng nach der Prämisse „lieber zu viel gekauft, als die Listenvorgabe nicht erfüllt“, ermittelt: knapp 70 Euro pro Person.

Für den Fall einer größeren Katastrophe einzukaufen, klingt zunächst schlimmer, als es ist. Im Supermarkt dudelt Musik aus den Charts und beim Abhaken der Einkaufsliste lernt man neue Lebensmittel kennen, die sonst wohl eher nicht im Einkaufswagen landen würden. Außer man hat eine Leidenschaft für Ölsardinen aus der Dose.

Literweise Wasser 

So ein Wagen voller Notrationen schiebt sich auch etwas schwer. Das liegt am Wasser. Wie jeder Hobby-Überlebenskünstler weiß: Wasser ist das Wichtigste. Wenn es hart auf hart kommt, überlebt der Mensch mehrere Wochen ohne Nahrung, aber nur vier Tage ohne Flüssigkeit. Für eine Person empfiehlt der ministerielle Einkaufszettel für die Notreserve daher zwei Liter pro Tag - darin ist das zum Kochen benötigten Wasser allerdings bereits enthalten. Macht bei zehn Tagen 20 Liter, was erklärt, warum der Einkaufswagen leicht schwerfällig wird.

Nach dem Wasser machen Gemüse und Hackfrüchte (vier Kilogramm) sowie Brot und die bewährten Kartoffeln (3,5 Kilogramm) den Großteil der Einkaufswagen-Ladung aus.

Sortieren und rotieren 

In der gut bestückten Vorratskammer gibt es auch Lebensmittel mit kürzerem Verfallsdatum: Eier etwa und die exakt 714 Gramm Frischobst, die pro Person vorgesehen sind. Das reicht für einen Apfel, zwei Bananen und eine Orange. Generell gilt daher aber: sortieren und rotieren. Was kurz vor Ablauf des Verfallsdatums steht, landet im Alltagsverbrauch. Die Lücken werden wieder aufgefüllt.

Auch bei Großfamilien macht der Vorratskalkulator nicht schlapp. Ein 20-Personen-Haushalt kommt laut dem Programm mit 400 Litern Wasser, drei Kilo Kaffee und zehn Kilo Sauerkraut gut über die Runden.

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