56-Jährige und Sohn wurden von Mitbewohner und Nachbarn in Sicherheit gebracht

Hofgeismarer Wohnhaus: Bewohner berichten von der Brandnacht

Hofgeismar. Es waren dramatische Szenen, die sich in der Nacht zum Mittwoch im Hofgeismarer Meßhagen zugetragen haben. Bei einem Feuer in einem Zweifamilienhaus war ein Schaden von bis zu 200.000 Euro entstanden. Am Tag danach berichten die Bewohner.

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Als es kurz nach 2 Uhr an der Haustür von Eva Müller klingelt und sie die Tür öffnet, da schlagen schon Flammen aus dem Dach des Nachbarhauses. Der 50 Jahre alte Wolfgang S. von nebenan steht mit nackten Füßen und nur mit T-Shirt und Boxer-Shirt bekleidet vor ihr und bittet Eva Müller, die Feuerwehr zu alarmieren. Es brennt lichterloh.

So hohe Flammen, so viel Qualm: Nachbarin Eva Müller berichtet von den dramatischen Ereignissen in der Nacht.

Während die Müllers die 44 Jahre alte Lebensgefährtin und deren zehnjährige Tochter - beide ebenfalls nur im Pyjama - in Obhut nehmen - rennt Wolfgang S. schon wieder los. Bei einem Nachbarn, zwei Häuser weiter, besorgt er sich eine Leiter und trägt sie zu dem brennenden Haus, wo er sie an das Balkongeländer im Dachgeschoss stellt. Gemeinsam mit anderen Helfern aus der Nachbarschaft gelingt es dem 50-Jährigen, die dort wohnende Frau und ihren erwachsenen Sohn über die Balkonbrüstung zu hieven und sie nach unten zu leiten. Es ist höchste Zeit, denn hinter den beiden haben sich die Flammen bereits vom Erdgeschoss her nach oben durchgefressen. Der Fluchtweg über Flur und Treppe ist abgeschnitten. Feuer und dichter Rauch lassen kein Durchkommen zu. Doch über die Leiter sind die Bewohner alsbald in Sicherheit gebracht. Und auch die Hauskatze kann noch geborgen werden.

Ausgebrannt: Das Feuer begann im Erdgeschoss, wo man am Mittwochmorgen durch die ehemalige Terrassentür nur noch in eine schwarzes Loch blickte.

Als der erste Feuerwehrtrupp wenige Minuten später eintrifft, sind alle Hausbewohner bei den Müllers nebenan untergrbracht. Hier können sich Rettungssanitäter und Notarzt um sie kümmern. „Das war ein Rauch ohne Ende“, sagt Eva Müller am Morgen. Sie steht mit ihrem kleinen Sohn vor ihrem Haus und blickt mit Entsetzen auf das ausgebrannte Nachbarhaus. „Das ist schon schlimm,“ sagt die 33-Jährige, „vor kurzem wurde da noch alles renoviert.“ Aber nun seien ihre Nachbarn wohnungslos und hätten an persönlichen Gegenständen nur noch das, was sie in der Nacht anhatten.

Noch sind die Bewohner allesamt im Krankenhaus, wie die Polizei am Mittwochnachmittag mitteilte. Die Untersuchungen laufen derweil weiter, die Brandstelle bleibt solange beschlagnahmt. Es müsse noch zu weiteren Untersuchungen kommen, teilte die Polizei mit.

Haus war gerade frisch renoviert

Hubert Tölle hat das bis zum Dienstag noch schmucke Zweifamilienhaus im Meßhagen in den Jahren 1982 /83 gebaut. „Da ist so mancher Schweißtropfen geflossen“, schaut Tölle am Morgen auf sein Werk, das nun ausgebrannt vor ihm steht. „Vergangenes Jahr haben wir noch renoviert - das Bad ist komplett neu.“ Im Keller befanden sich eine schöne Bar und Sauna - „alles war da“. „Doch da wird nichts mehr zu machen sein,“ blickt der Gottsbürener über die von der Feuerwehr gezogenen Absperrung hinweg auf die Brandruine.

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 „Im Keller stand so hoch das Wasser und im Inneren ist alles verkohlt.“ Genauer nachsehen kann Tölle noch nicht, er muss auf die Kripo aus Kassel warten, die den Brandort untersuchen wird. Bald darauf trifft auch Tölles Enkel Matthias ein, der heutige Eigentümer der Immobilie. Er ist erst am Dienstagabend aus Shanghai gekommen, hatte beruflich in China zu tun. „Und der neue Durchlauferhitzer ist auch hinüber“, ist Matthias’ erste, ungläubige Reaktion als er auf sein ausgebranntes Haus blickt. Als dann die Kripo aus Kassel eintrifft, ist der Eigentümer, ebenso wie sein Großvater gefasst. Gemeinsam mit den Beamten besichtigt er das Gebäude im Inneren. Brandgeruch dringt immer noch bis auf die Straße. (geh)

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