62-Jähriger begann seine Karriere als Feuerwehrausbilder

Führungskraft in Erstaufnahme: Wolfgang Finis denkt gar nicht an den Ruhestand

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Von der Feuerwehrschule ins Flüchltingsheim: Der 62-jährige Wolfgang Finis stürzte sich in das Abenteuer in der Erstaufnahme. 

Mariendorf. Flüchtlinge sind dankbar und wollen arbeiten - mit solchen Aussagen stößt man nicht nur auf Zustimmung. Doch Wolfgang Finis (62) lässt sich da erst gar nicht auf Diskussionen ein.

Für den Feuerwehrmann aus Mariendorf steht fest: „Die Bereitschaft zur Integration ist da“. Und Finis muss es wissen: Denn er koordiniert die Flüchtlingslager - und das freiwillig. Eigentlich ist der Mariendorfer im Ruhestand.

Finis war 34 Jahre lang bei der Kreisfeuerwehrschule in Kassel, bevor er sich in das Abenteuer mit den Flüchtlingen wagte.

Doch von vorn: Wolfgang Finis studierte in Kassel Elektrotechnik. „Das hat Zukunft“, habe er sich damals gedacht. Nach vier Jahren in der Industrie kam er dann mit 27 Jahren durch einen Schwager zur Feuerwehrschule.

Vorher hatte Finis nie einen besonderen Bezug zur Feuerwehr - war auch nicht bei den Freiwilligen. „Das einzige was ich wusste war, dass die Fahrzeuge rot sind“, gesteht der 62-jährige mit einem Schmunzeln. Dafür lief es im Job dann ganz gut: Er stieg bis zum Brandinspektor auf und war ab 2000 stellvertretender Schulleiter. Sein Ruhestand war für Ende 2015 vorgesehen - doch es kam anders als geplant.

Auf dem Gelände der Feuerwehrschule entstand eine Flüchtlingsunterkunft. Finis hat dann immer mal wieder dort vorbeigeschaut und stand in engem Austausch mit dem Standortleiter. Schnell merkte er: „Das ist eine irre Aufgabe - das will ich auch machen.“ Zum 1. Dezember schied der Standortleiter aus und schlug den in Pension gehenden Finis kurzerhand als neuen Leiter vor.

Finis war schon immer offen für Neues - von Fallschirmspringen über Ski fahren bis zum Restaurieren alter Traktoren hat er schon so ziemlich alles ausprobiert.

„Das war ein ganz neues Arbeiten“, sagt er über die Tätigkeit als Standortleiter. Jeden Tag gebe es neue Herausforderungen: „Machen, machen, machen heißt es da.“ Man habe dort gut und gerne mal 220 Stunden im Monat gearbeitet. 25 Prozent mehr als normal. Nachdem sein Vertrag im April 2016 auslief, war Finis zunächst zu Hause - bis das Telefon klingelte. Aktuell ist er der Leiter des Verbindungsbüros in Calden. Dies sei wieder eine ganz neue Aufgabe: „Ich arbeite nun übergeordnet, bin für Koordination und Vernetzung verantwortlich.“ Dabei ist er für alle nordhessischen Unterkünfte zuständig.

Als Finis zur Feuerwehr kam, habe er sich gedacht: „Wunderbar, mit 60 kannst du in Pension gehen.“ Heute ist das anders: „Dann ist man irgendwann mal so alt und merkt, dass nur zu Hause sein ja eigentlich recht langweilig ist.“ Durch die Arbeit sei er gefordert und bleibe fit. Sein Vertrag läuft Ende des Jahres aus. Was danach kommt, weiß er noch nicht.

Von Luis Hartmann

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