TSV Sielen stand kurz vor der Auflösung – Mit Claudia Cöster fand sich in letzter Sekunde eine Vorsitzende

Kampf gegen Sportler-Lethargie

Alle Hände voll zu tun: Der TSV Sielen hat eine neue Vorsitzende: Claudia Cöster. Mit ihrem Führungsteam brachte sie in kurzer Zeit frischen Wind in den vor der Auflösung stehenden Verein. Auch der Sportplatz in Sielen wurde wieder bespielbar gemacht und bei Heimspielen sorgen viele dafür, dass die Zuschauer mit Getränken versorgt werden. Unser Bild zeigt (von links) Karl-Heinz Kießlich, Sophia Cöster, Claudia Cöster und Maike Gräbe, das Team vom Ausschank. Foto: Rieß

Sielen. Der TSV Sielen scheint den wichtigsten Kampf seiner inzwischen gut 100-jährigen Geschichte gewonnen zu haben. Gut ein Jahr hing die Zukunft des 1907 gegründeten Vereins am seidenen Faden. Das Amtsgericht drohte mit Auflösung. Dann fand sich ein neuer Vorstand – und es scheint, als ginge es jetzt wieder bergauf mit dem 170 Mitglieder zählenden Klub.

Dem TSV erging es, wie vielen Vereinen: Jeder will, dass der Klub Angebote unterbreitet, doch kaum jemand ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. Als Thorge Hofeditz als Vorsitzender nicht wieder antrat, war dieses Dilemma für alle sichtbar. Keiner wollte TSV-Chef werden. Hofeditz ließ sich breit schlagen, kommissarisch weiterzumachen, bis ein neuer Vorsitzender gefunden wird. Doch das dauerte. Monat um Monat zog ins Land. Letztlich drohte dem TSV das Aus. Nach einem Kontakt mit dem Amtsgericht stand fest: Der TSV hat genau zwei Möglichkeiten. Entweder er löst sich auf – oder er findet binnen zwei Monaten einen neuen Vorstand.

Betretenes Schweigen

Bei der entscheidenden Sitzung – sie war im April – herrschte denn zunächst betretenes Schweigen. Kurz vor dem Auflösungsbeschluss erklärte sich schließlich Claudia Cöster (50) bereit, das Steuer zu übernehmen. Es war ein Glücksgriff, wie man jetzt, ein viertel Jahr später in Sielen sagt. „Ich habe ein hervorragendes Team“, wiegelt Cöster ab.

Ob es am neuen Kopf liegt oder ob die drohende Auflösung die eingekehrte Lethargie dem Verein gegenüber besiegte, ist letztlich auch zweitrangig. Fakt ist: Seit drei Monaten rührt sich wieder etwas im Verein. Sichtbares Zeichen für die Fußballer: Tagelang waren etwa zwei Dutzend TSV-Mitglieder beschäftigt, um den brachliegenden Fußballplatz wieder bespielbar zu machen. Zwei Jahre wurde er nicht für Serienspiele genutzt, weil es an helfenden Händen fehlte. Dann wurden Maulwurfhaufen beseitigt, teils neu eingesäht, Bänke neu hergerichtet. Dass der A-Ligist Diemeltal gleich beim ersten Spiel in Sielen den Gruppenliga-Aufsteiger Hombressen/Udenhausen aus dem Rennen warf, krönte das Engagement. Und heute hofft man auf eine ähnliche Sensation: Gegen Dörnberg

Doch nicht nur die Fußballer profitieren. Die Tischtennisspieler und die Gymnastikdamen haben weiter eine Heimat – und neue Angebote werden getestet. Als zu einem Schnuppertermin Zumba angeboten wurde, kamen fast 50 Frauen. Fintess-Mix und Body-Styling wurde ebenfalls angeboten. Was letztlich fester Bestandteil wird, ist noch nicht entschieden. Aber es zeigt: Das Interesse ist da.

Und auch die Jugendlichen freuen sich, dass es den TSV weiter gibt: Vor allem die Mädchen wollen eine neue Sparte: Jazz-Dance. Derzeit sammeln sie Unterschriften im Dorf, um herauszufinden, wie viele mitmachen wollen. Wenn es genügend sind, wird eine entsprechende Gruppe ins Leben gerufen. Schließlich hat der TSV mit Cöster einen Kopf und damit eine Zukunft.

Von Michael Rieß

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