Mit Kopf und Herz stolpern

Immenhausen. Nach den Städten Grebenstein und Hofgeismar hat seit gestern auch Immenhausen seine Stolpersteine: Pflastersteine mit glänzender Namensplakette, die auf drei ehemalige Mitbürger hinweisen, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Clara Haase, Gerhard Czaplinski und Dr. Lilli Jahn wurden zuvor in einer Feierstunde in der Gesamtschule gewürdigt.
Die Aktion wurde veranstaltet von der Lilli-Jahn-Grundschule, der Freiherr-vom-Stein-Gesamtschule, der Stadt Immenhausen und der Stadtsparkasse Grebenstein, deren Kulturstiftung auch den Großteil bezahlte. Bürgermeister Herbert Rössel unterstrich, dass die Stadt Immenhausen ein berechtigtes Interesse habe, die schwere Zeit des Nationalsozialismus in Immenhausen aufzuarbeiten. Monika Rudolph und weitere Mitstreiter hätten dabei mit ihren Nachforschungen schon Beachtliches geleistet.
Es gebe auch heute noch Menschen, die erhebliche Probleme im Umgang mit der Vergangenheit hätten und verwies darauf, dass sich die heutigen Besitzer des Hauses Neue Straße 14, wo einst Klara Haase lebte, geweigert hätten, den Gedenkstein vor ihrer Haustür einbauen zu lassen. Vielleicht gelinge es in einer zweiten Runde, meinte Rössel, da es ohnehin noch Nachforschungen zu weiteren Namen (unter anderem in Holzhausen) gebe. Immenhausen sei jetzt Teil des größten dezentralen Denkmals in Europa, sagte Rössel.
Größtes Denkmal Europas
Dieses Denkmal besteht inzwischen aus über 22 000 Stolpersteinen, die Gunter Demnig seit 1999 vor den jeweils letzten frei gewählten Wohnungen meist jüdischer Menschen eingebaut hat. ergänzte Heike Schneider, Rektorin der Lilli-Jahn-Schule. Sie erinnerte an das Leben der Namensgeberin der Schule, die als Ärztin in Immenhausen lebte.
Brigitte Kastell, Direktorin der Freiherr-vom-Stein-Schule, unterstrich, dass die Steine in den Gehwegen nicht die Menschen beim Gehen, sondern Kopf und Herz stolpern lassen sollten, um nachzudenken. Der Schule komme eine wichtige Aufgabe zu, allen jungen Menschen die Gefahren extremen Gedankengutes klar zu machen und vor Verführungen zu warnen.
Johanna Büch, eine Tochter Lilli Jahns, sagte in der Feierstunde, dass sich ihre widersprüchlichen Gefühle gegen Immenhausen ins Positive gewendet hätten, spätestens seit der Taufe der Grundschule auf den Namen Lilli Jahns.
Schüler beider Schulen gestalteten die Feier musikalisch und trugen die Biografien vor.
Von Thomas Thiele