Erste Filme der US-Army

Kriegsende im Diemeltal: Zeitzeugen berichten vom Rasseln der Panzer

Hümme/Eberschütz/Gieselwerder. Das Ende des Zweiten Weltkrieges liegt 70 Jahre zurück. Aus Eberschütz und Gieselwerder liegen jetzt erstmals Fotos aus Filmen der US-Army vor.

Quelle Video: National Archives , Maryland / Washington, USA.

Ab 6. April 1945 wurde die Region zwischen Eggegebirge und Weser in nur vier Tagen von den Amerikanern bei nur noch vereinzelter Gegenwehr besetzt.

Louise Busch um 1945

Louise Busch, geborene Bode, Jahrgang 1921, erinnert sich noch genau: „Die Bahnstrecke bei Hümme wurde oft von Tieffliegern beschossen Die letzten Nächte hatten wir kaum geschlafen. Eines Morgens, kurz nach Ostern, am 7. April 1945 in aller Frühe ein Rasseln und Dröhnen was von weit her kam. Es wurde gesagt, es sind Panzer, die fahren von Muddenhagen den Berg hinunter nach Eberschütz. Inzwischen kam der erste Panzer über die Bahnschranke in Hümme gefahren. Dahinter fuhr ein Jeep mit dem Sternenbanner, dann jede Menge Panzer, Jeeps und Lastwagen mit Soldaten, das Gewehr im Anschlag.

Da habe ich das erste Mal einen Farbigen gesehen. Die Soldaten waren am Kauen. Bis dahin kannten wir kein Kaugummi.

Die Besatzungssoldaten gingen nun in die Häuser um nach Waffen und deutschen Soldaten zu suchen.

Louise Busch heute

Ab 19 Uhr bis morgens 7 Uhr durfte von der deutschen Bevölkerung niemand mehr ohne Sondergenehmigung auf die Straße gehen. Wir sind den Weisungen der Amerikaner gefolgt und keiner hat uns etwas zuleide getan. Gott sei Dank war der Krieg vorbei, die Bombenangriffe und das Morden an den Fronten. Aber eine gewisse Unsicherheit blieb zurück. Was kommt jetzt? Wir waren die Besiegten“.

So erlebte Irmgard Hoff den Einmarsch der Amerikaner:

Nach 70 Jahren gehört Irmgard Hoff (90 zu den letzten Eberschützer Einwohnern, die den Krieg noch selbst erlebt haben. Es fällt schwer, zu klären, ob die Amerikaner aus Lamerden oder aus Muddenhagen anrückten. "Sie kamen über Gleichmanns Wiese (Otto) und gingen durch die Gärten und Stallungen und machten die Staketen vom Zaun ab", erinnert sich die damals 20-Jährige.

Drei Tage und drei Nächte fuhren Militärfahrzeuge durch Eberschütz, sie teilten sich dann nach Hümme und Sielen, immer weiter Richtung Osten. "Unser Opa Samuel Wahlhäuser sollte noch bei Lamerden eine Panzersperre bauen, aber das passierte nicht mehr. Er und andere haben sich im Wald versteckt.

Vor 70 Jahren: Kriegsende im Diemel- und Wesertal

Die US-Soldaten, immer sieben Mann und ein Offizier, haben sich für eine Nacht in den Häusern einquartiert, aber nicht in den Betten geschlafen. Das Hauptquartier war im Gasthaus Scheele. Bei uns stand ein Klavier, der Opa war Kantor, da hat ein Soldat drauf gespielt. Sie waren alle nett."

Die Eberschützer mussten alle Gewehre und Pistolen abgeben, auf Waffenbesitz stand die Todesstrafe. Da ist dann vieles von der Brücke in die Diemel gewandert und in die Jauchegruben.

Zunächst verboten die Nationalsozialisten den Deutschen das Fotografieren militärischer Aktionen und Schäden, später konfiszierten die Amerikaner alle Kameras und Waffen. Nur sehr Mutige wagten noch zu fotografieren. Kriegsfotos von Zivilisten sind deshalb sehr selten. Christel Engemann aus Bühne fand, als sie im US-Nationalarchiv in Maryland nach Fotos ihres Hauses suchte, diese Bilder, die sie uns zur Verfügung stellte.

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