Denkmalschutz

Kreis verbietet Abriss der Beberbeck-Häuser

Beberbeck. Die Bauaufsicht des Landkreises Kassel hat den Abriss der Landarbeiterhäuser an der Hombresser Straße in Beberbeck verboten.

Damit liegen die Pläne des Landes nun erstmal auf Eis. Die Hessische Staatsdomäne hatte den Abriss beantragt, weil die Gebäude in einem schlechten Zustand seien und sich eine Sanierung wirtschaftlich nicht lohne. Die Mieter hatten die Kündigung ihrer Mietverträge erhalten. „Unsere Bauaufsichtsbehörde sieht nach Prüfung des Abbrissantrags keine Möglichkeit, eine Genehmigung zu erteilen“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn.

Aktualisiert um 17.55 Uhr

Die Bauaufsicht prüft bei Abriss- oder Bauanträgen, ob dem Vorhaben öffentlich-rechtliche Vorschriften entgegenstehen. „Wir sehen im Planungsrecht und im Denkmalschutz Gründe, die gegen den Abriss sprechen“, so Kühlborn weiter. Die Häuser an der Hombresser Straße stünden in einem engeren Zusammenhang mit der übrigen Bebauung des Hofgeismarer Stadtteils Beberbeck und stellten somit einen Teil des Dorfes dar. Auch denkmalschutzrechtliche Bedenken sprechen laut Bauaufsicht gegen den Abriss. Die genannten wirtschaftlichen Gründe für den Abriss könnten „das öffentliche Interesse am Erhalt des Kulturdenkmals nicht entkräften“. Die Stadt Hofgeismar hatte sich immer gegen den Abriss ausgesprochen. „Wir wollen mit dem Land Kontakt aufnehmen, um auch beim Thema Mieter einen gemeinsamen Nenner zu finden“, sagt Bürgermeister Markus Mannsbarth. „Beberbeck soll belebt bleiben.“

Das Umweltministerium prüft nun die Aussage der Bauaufsicht und ermittelt, „in wie weit die Argumente haltbar sind“, so ein Sprecher. „Ungeachtet dessen befindet sich die Domänenverwaltung im Austausch mit der Stadt, um über die notwendige Finanzierung durch die Kommune für einen möglichen Erhalt der Gebäude an der Hombresser Straße zu beraten.“

Mieter froh über die Nachricht

Über die Nachricht, dass die Landarbeiterhäuser an der Hombresser Straße wohl nicht abgerissen werden, freuen sich besonders die Mieter. „Ich bin überglücklich, dass unsere Häuser jetzt wahrscheinlich doch stehen bleiben und wir weiterhin hier wohnen können“, sagt Veronique Bollerhey, die mit ihrer Familie an der Hombresser Straße wohnt. „Gleichzeitig hoffe ich, dass das nun ein Startsignal dafür ist, die anderen leerstehenden Häuser auch zu vermieten. Damit bekommt Beberbeck wieder mehr Einwohner und der Stadtteil wird lebendiger.“ Doch wie es nun für die Mieter weitergeht, ist noch nicht klar: „Abrissvorhaben und Mietverhältnis sind zwei Paar Schuhe“, sagt Landkreissprecher Harald Kühlborn. Trotzdem: Das Abrissvorhaben war der Kündigungsgrund der Mietverhältnisse – dieser ist mit der Entscheidung des Kreises nun hinfällig. „Die Dorfgemeinschaft würde durch den Abriss der Häuser quasi aufgelöst und die Siedlungsstruktur zerstört“, nennt Kühlborn einen der Gründe für die Entscheidung gegen den Abriss. Dies sei ein Zustand, der städtebaulich nicht vertretbar ist. Die SPD-Landtagsabgeordnete Brigitte Hofmeyer äußerte sich zu dem Thema so: „Die von verschiedensten Seiten wiederholt vorgebrachte Forderung nach Erhalt der Landarbeitersiedlung war richtig. Die Häuser bilden mit der übrigen Bebauung eine Einheit, die durch den Abriss zerstört würde.“ Nun sei es an der Zeit für das Land zu erklären, wie es weitergehen soll. „Für die Mieter und die weitere Entwicklung des Stadtteils Beberbeck ist Planungssicherheit erforderlich“, so Hofmeyer.

Mieter in Beberbeck geben Einblicke in ihre Häuser

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