Schließung drohte nächste Woche

Einwohner von Gieselwerder retten ihren Dorfladen

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Schließt nicht: Das bisher von der Baunataler Diakonie betriebene Lebensmittelgeschäft in Gieselwerder wird ab 1. Dezember von mutigen Bürgern weitergeführt. Foto: Privat

Gieselwerder. Im letzten Moment haben sich Einwohner aus Oberweser gefunden, um den Lebensmittelladen in Gieselwerder, das „Lädchen für alles“, vor der Schließung zu bewahren.

Die Baunataler Diakonie (Bdks), die sich als Betreiber mit der Marktkette Tegut zusammengetan hatte, kündigte den Vertrag zum Ende November, da der Betrieb nicht mehr dem eigentlich geplanten Konzept – der Mitbeschäftigung behinderter Mitarbeiter – gerecht werden konnte.

Ein anderer sozialer Betreiber war auf der Zielgeraden der Verhandlungen abgesprungen (wir berichteten). Nach vielen Gesprächen mit unterschiedlichen Akteuren haben sich – wie Bürgermeister Cornelius Turrey am Donnerstagabend berichtete – engagierte Bürger zusammengefunden, die mit Privateinlagen und vor allem ehrenamtlichem Einsatz das Risiko eingehen und das Geschäft ab 1. Dezember weiterführen.

Die Verwurzelung mit ihrem Heimatort und die Sorge, nie wieder die Chance auf einen Nahversorger im Ort zu haben, habe die Initiatoren angetrieben. Und auch die Weitsicht, dass die Schließung des Ladens weitere Nachteile auf die vorhandene Infrastruktur haben könnte.

Auch Ortsvorsteherin Hildegard Gunkel-Becker kämpfte für den Laden, weil seine Schließung wohl in einem Dominoeffekt fatale Konsequenzen für die benachbarte Apotheke, den Campingplatz, den Tourismus in der Gemeinde und auch für ältere Einwohner gehabt hätte.

Nach der Absage des letzten Kandidaten blieben nur drei Wochen Zeit, um eine Lösung zu finden. Neun Einwohner, die ihre Namen derzeit noch nicht öffentlich machen wollen, fanden sich, um sowohl das finanzielle Risiko als auch die Verantwortung für den Betrieb zu übernehmen.

Künftig ab 8 Uhr geöffnet

Der Betrieb wird ab 1. Dezember nahtlos weiterlaufen, ist dann aber erst ab 8 Uhr statt bisher 7 Uhr geöffnet, weil in der ersten Stunde kaum Kunden kamen. Alle vier Mitarbeiter werden übernommen und zu Spitzenzeiten und in Dienstplanlücken durch die ehrenamtliche Mitarbeit der neuen Betreiber unterstützt, um den dauerhaften Betrieb sicherzustellen. Im Dezember und zum Jahresbeginn werden etliche Änderungen umgesetzt, um die Laden-Attraktivität zu steigern. So soll zum Beispiel ein regionaler Bäcker das Angebot erweitern und das Sortiment besser an die Bedürfnisse der Kunden angepasst werden.

Bürgermeister Turrey sagte: „Die Gemeinde dankt den neuen Betreibern und hofft darauf, dass deren Engagement mit Akzeptanz belohnt wird und viele Bewohner auch künftig im Laden in Gieselwerder einkaufen.“ Das meint auch Landrat Uwe Schmidt: Jetzt komme es darauf an, dass die bisherigen Kunden dabeibleiben und dass auch möglichst viele neue dazukommen. Schmidt ist sich sicher, dass die neuen Betreiber das richtige Angebot anbieten können: „Und es sollte dann auch im Eigeninteresse der Bürger von Oberweser genutzt werden“.

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