Drei Jahre Unterbringung in einer Entziehungsanstalt

Prozess wegen Raubs in Veckerhagen: 23-Jähriger muss in Haft

Veckerhagen/Kassel. Im Prozess wegen der Überfälle auf einen Getränkemarkt in Veckerhagen und weiterer Straftaten gibt es nun ein erstes Urteil.

Wegen schwerer räuberischer Erpressung in zwei Fällen sowie „Diebstahls im besonders schweren Fall in drei Fällen” hat das Landgericht Kassel am Freitag einen 23-Jährigen aus dem Kreis Göttingen zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Es ordnete die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Gegen den 21-jährigen Mittäter wird am 26. September weiterverhandelt. Und es wird einen weiteren Prozesstag geben, weil ein Gutachten noch nicht vorliegt.

Der 21-jährige Angeklagte legte ein Geständnis ab. Sein früherer Freund hatte die beiden bewaffneten Raubüberfälle im Dezember 2015 in Veckerhagen bereits gestanden. Dabei waren 1125 Euro erbeutet worden. 940 Euro stahlen beide bei einem Einbruch in ein Baugeschäft in Münden. Bereits im Februar 2014 hatte der jetzt 21-jährige, bereits vorbestrafte Angeklagte aus den Beruflichen Schulen Witzehausen elf Notebooks im Wert von 4770 Euro gestohlen. Jedes Teil verkaufte er für 150 Euro, gestand er gestern.

Beide Männer hatten nach Aussagen des jüngeren Angeklagten über 2000 Euro Schulden aus Drogengeschäften. Der 21-Jährige sagte, er habe seinem Freund auf dessen Anfrage erklärt, wie man einen Raubüberfall begehe, er sei aber nicht dabei gewesen. Der Freund habe ihm aus beiden Überfällen 1125 Euro überreicht. Das Geld habe er verzockt und neue Drogen gekauft. Sein Verfahren wurde gestern abgetrennt.

Für den 23-Jährigen hatte Oberstaatsanwalt Dr. Götz Wied eine Gesamtstrafe von vier Jahren und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt beantragt. Rechtsanwalt Matthias Wuttke hielt zwei Jahre auf Bewährung für angebracht, beantragte betreutes Wohnen und Therapie. Sein Mandant habe ein Geständnis abgelegt, sich für die Straftaten entschuldigt und sitze schon neun Monate in Haft. Dr. Wied sprach von einem glaubhaften Geständnis. Der Angeklagte habe „komplett reinen Tisch gemacht”.

In der Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende Richter Dreyer, der Angeklagte habe sich aufrichtig entschuldigt. In dessen Leben sei „nicht viel geradeaus gelaufen”. Sein Drogenkonsum gelte als strafmildernd. Der Angeklagte und der Sachverständige Prof. Dr. Müller erklärten, dass die Mutter schon während der Schwangerschaft Alkoholikerin war. Der Vater starb, als der Angeklagte elf Jahre alt war. Er hat keinen Schulabschluss und keine Ausbildung.

In der Entziehungsanstalt habe er die Möglichkeit zum Schulabschluss und zu einer beruflichen Perspektive, sagte der Richter. Wenn er mitziehe, habe er die Perspektive, „nach zwei Drittel der Strafe” entlassen zu werden.

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