Weserflößer staunen: Ihr Floß ist schneller als der Fluss

Hessens Nordspitze: Ein beliebtes Fotomotiv ist das Reinhardshäger Floß, das seit Sonntag auf der Weser unterwegs ist. Unser Bild zeigt es bei Bad Karlshafen an der Diemelmündung. Im Hintergrund ist der Campingplatz von Karlshafen zu sehen. Fotos: privat/nh

Reinhardshagen. Da mussten selbst die Flößer staunen. Schon am ersten Tag ihrer Fahrt mit dem Weserfloß, das sie in sechs Tagen von Vaake nach Minden führt, stellten sie überrascht fest, dass ihr Wasserfahrzeug schneller ist als der Fluss.

„Man sieht es, wenn unser Floß langsam an Blättern und Ästen vorbeizieht, die ebenfalls auf der Weser schwimmen“, erzählt der Vorsitzende der Reinhardshäger Weserflößer, Eckhard Meyer und liefert auch gleich die Erklärung: die Schwerkraft. Sie gibt dem Floß flussabwärts zusätzlichen Antrieb.

Doch die Geschwindigkeit ist es nicht, die die Flößer dabei in erster Linie freut. Vor allem ist es eine Bestätigung, dass beim dreitägigen Bau vor der großen Fahrt alles richtig gemacht wurde. „Das Floß läuft gut. Es ist das beste, das wir je hatten“, sagt Meyer nicht ohne Stolz.

Nach drei Tagen auf der Weser ist inzwischen Routine eingekehrt auf dem Floß. Jeder weiß, was zu tun ist, Zeit zur Unterhaltung, zum Gespräch mit Gästen und zum Genießen der Natur bleibt allemal. Über 15 Gäste begleiteten auf der ersten Etappe von Vaake nach Bodenwerder die 18 Weserflößer. Gesprächsthemen gab es genug: die Bedeutung der Flößerei in früheren Jahren für die Weserorte, die Wichtigkeit des Forstes, das Leben am Fluss. Und die Gespräche erhielten auch immer wieder neue Nahrung, wenn beispielsweise beim Stopp in Gieselwerder und Bad Karlshafen die früheren Flößer Willi Hofmeister und Otto Waldeck tief bewegt von ihrem Beruf erzählten. „Das waren wehmütige Momente“, sagt Meyer.

Und auch sonst gibt es genügend Gesprächsstoff, über - den freundlichen Empfang, der ihnen überall bereitet wird, - die Menschen, die auch während der Fahrt immer wieder am Weserufer auftauchen, dankbar für ein nicht-alltägliches Fotomotiv, - das Wetter, das die Flößer nicht groß stört. „Gegen Regen kann man sich schützen. Und er gehört zur Natur“, sagt Meyer, - die Gastfreundschaft, die sie überall erfahren. Trendelburgs früherer Bürgermeister Bernhard Klug brachte beispielsweise „Trendelburger Kümmel“ vorbei, die Bodenfelder Schüttenhof-Marine versorgte sie nach der ersten Nacht mit einem vielseitigen Frühstück. Und natürlich über - die Nachtwache. Die erste Nacht blieb Weserflößer Hans-Joachim Schlicker an Bord. Trotz Regens. Die zweite Nacht waren es die beiden Jungflößer Sven Hiddersen und Jan Beck aus Gieselwerder.

Und was machen die Flößer sonst den lieben, ganzen Tag? Naja, sagt Eckhard Meyer, „wir kriegen die Zeit schon rum.“ Schließlich solle die Fahrt ja auch nicht in Stress ausarten, sondern für Reinhardshagen, speziell für das 1150 Jahre alte Vaake, Werbung machen.

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