Interview mit Albert Kauffeld (Freie Wähler)

Windräder im Wahlkampf: „Die Grünen eiern herum“

Windrad im bayerischen Wald: Ob es solche Fotos künftig auch aus dem Reinhardswald gibt, hängt auch von der Kommunalwahl im März ab. Foto: dpa

Reinhardshagen. Die Freien Wähler im Kreisteil Hofgeismar positionieren sich deutlicher als bisher gegen den Bau von Windrädern im Reinhardswald.

Eine treibende Kraft dahinter ist der zweite Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Kreistag, Albert Kauffeld. Wir sprachen mit ihm über die Entwicklung und die Kommunalwahl.

Herr Kauffeld, werden der Bau von Windrädern und Salzleitung im Reinhardswald das beherrschende Thema des Kommunalwahlkampfs? 

Albert Kauffeld: Ob es Windräder im Reinhardswald geben wird, entscheidet die Politik. Und Politiker werden gewählt. Es wird auf jeden Fall ein Wahlkampfthema für uns werden, weil wir den Schutz des Reinhardswaldes thematisieren werden. Und geschützt wird der Wald nur, wenn keine Windräder und Salzspeicherbecken dort entstehen dürfen. Dabei haben wir nicht grundsätzlich etwas gegen die Windkraft, sondern wir wollen abwägen. Und da hat der Schutz des Reinhardswaldes für uns Priorität vor Windkraftanlagen, die wegen fehlender Speichermöglichkeiten gar nicht gebraucht werden.

Die Debatte geht seit Jahren, hat aber bisher politisch kaum für Bewegung gesorgt. Nur vereinzelt haben Parteien das Thema überhaupt angefasst. Die Frontlinie verlief meist zwischen Politik und Bürgerinitiativen. Warum? 

Albert Kauffeld (UWG) ist stellvertretender Bürgermeister in Reinhardshagen

Kauffeld: Die Parteien haben oft Probleme mit ihren Parteiführungen. Das beste Beispiel sind die Grünen im Landkreis Kassel, die bei dem Thema herumeiern. Die Landespartei regiert ja mit in Wiesbaden. Und die FDP ist zwar jetzt gegen Windkraft im Wald, hat dies im Grundsatz aber mitbeschlossen, als sie in Hessen in der Regierungsverantwortung stand. Und die SPD, die sonst bei jeder sich bietenden Gelegenheit die CDU geführte Landesregierung angreift, hat offensichtlich die Parteilinie zu vertreten.

Werden die Parteien wegen der Wahl das ändern? 

Kauffeld: Ich hoffe, dass die Hofgeismarer CDU bei ihrer Meinung bleibt und sehe auch bei uns in Reinhardshagen, dass SPD und CDU sich ganz klar gegen Windräder und Salzbecken im Reinhardswald aussprechen. Und ich hoffe darauf, dass der Wählerwille nach der Wahl von den Gewählten auch ernst genommen wird.

Fällt Ihnen ein Stein vom Herzen, dass die Windrad- und Salzbeckenkritiker von Pro Märchenland nicht mit einer eigenen Liste - also quasi gegen die FWG - antreten, sondern sich den Freien Wählern anschließen? 

Kauffeld: Ich freue mich, denn ich habe dafür geworben, dass sie sich kommunalpolitisch einbringen. Wenn nicht mit einer eigenen Liste, so ist es nur logisch, dass sie sich bei den Freien Wählern engagieren. Denn wir nehmen uns der Probleme der Menschen ohne Parteifilter an.

Bei Freien Wählern in der Nordspitze war die Position zur Windkraft im Wald in der Vergangenheit unterschiedlich. In einigen Gemeinden hielt man sich mit Kritik zurück, anderswo war man deutlicher. Gibt es nun eine einheitliche Position im Kreisteil Hofgeismar? 

Kauffeld: Ich würde das bejahen. Es ist uns gelungen, die Freie Wähler in den Ortsverbänden näher zusammenzubringen.

Sie sind gegen die Energiegenossenschaft Reinhardswald (EGR), mit der einige Kommunen im Ernstfall selbst Windräder im Wald bauen wollen. Kritiker werfen Ihnen vor, es sei verantwortungslos, mit so einem wichtigen Thema Wahlkampf zu machen. Stimmt das? 

Aktion gegen Windkraft im Wald in Lippoldsberg: Ein Teil der Aktivisten geht nun in die Politik. Archivfoto: Temme

Kauffeld: Gerade weil es wichtig ist, muss der Wähler entscheiden können, denn es geht um seine Zukunft und den Schutz seines Reinhardswaldes. Der auf der gegenüberliegenden Weserseite liegende Bramwald und Solling wird durch das Land Niedersachsen geschützt. Und unser Reinhardswald? Er kann doch nichts dafür, dass er in Hessen liegt. Wir sind eine gemeinsame Region „Oberes Wesertal“, die es zu schützen gilt. Zur EGR nur so viel: Der gut gemeinte Versuch, mit der EGR Schlimmeres zu verhindern, wird leider nicht funktionieren.

Aber der Schuss kann nach hinten losgehen: Wenn die Windräder im Wald erlaubt werden und die Kommunen mit der EGR scheitern, bauen fremde Firmen Windräder im Wald, oder? 

Kauffeld: Es scheint, die Argumentation ist stichhaltig, sie ist aber leider ein Trugschluss. Einige Bürgermeister meinen, sie könnten so Einfluss auf die Entwicklung nehmen, dabei dienen sie nur als Akzeptanzbeschaffer. Übrigens denke ich, dass es der Natur letztendlich gleichgültig ist, wer sie zerstört.

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