Schlichte Worte statt Phrasen

Die Situation kommt immer wieder: Der Ehepartner eines Nachbarn oder der Vater eines Kumpels ist gestorben. Und jetzt fragt man sich mit einigem Unbehagen, wie man da am besten reagiert: Sollte man mal eben klingeln und sein Mitgefühl zum Ausdruck bringen?

Eine Trauerkarte in den Briefkasten werfen oder erst einmal abwarten und nicht stören, um den Hinterbliebenen zunächst allein trauern zu lassen? Richtig zu kondolieren erfordert viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen.

Dem Bauchgefühl trauen

„Trauen Sie Ihrem Bauchgefühl“, rät der evangelische Theologe Klaus Dirschauer, der sich seit vielen Jahren mit dem Thema Trauer befasst. Bei einem Todesfall in der Nachbarschaft empfiehlt er, das Kondolieren nicht lange aufzuschieben: „Warten Sie nicht, bis Sie die Nachbarin zufällig im Treppenhaus treffen. Gehen Sie hin und sprechen Sie sie an.“ Nicht zu kondolieren sei ganz falsch. Das sei, als ob man jemanden von einem Tag auf den anderen nicht mehr grüße.

Während des Gesprächs sollte man nicht fragen: „Wie ist es denn passiert?“, rät Dirschauer. „Das zwingt den Betroffenen nur, alles noch einmal zu wiederholen“. Wer Trost spenden wolle, sollte auch nicht von eigenen Trauerfällen berichten: „Wenn Sie jemandem kondolieren, dann erzählen Sie ihm nicht Ihre Story, sondern hören Sie einfach zu“, sagt Dirschauer, der einen kleinen Trauer-Knigge verfasst hat.

Anwesenheit und stumme Zuwendung bedeuteten oft mehr als Worte, urteilt auch der Psychiater und Buchautor Volker Faust: „Geben Sie dem Trauernden die Möglichkeit, Gefühle zu zeigen. Wer sich „zusammennimmt’’, ist bequem für die anderen, schadet dafür aber dem eigenen Genesungsprozess.“

Abzuraten sei auch von oberflächlichen, leeren Redensarten und nutzlosen Appellen im Stil von „Sie müssen sich jetzt wieder einmal etwas gönnen“, findet Faust. Auf seiner Webseite psychosoziale-gesundheit.net gibt er Tipps für den Umgang mit Trauernden.

Keine Übertreibungen

Auch Dirschauer mahnt bei Beileidsbekundungen zu schlichten Worten. Ausdrücke wie „mein allerherzlichstes“ oder „aufrichtigstes“ Mitgefühl findet er nicht angebracht: „Nehmen Sie sich da ein Beispiel an Derrick, der hat als Fernsehkommissar auch immer nur knapp gesagt: Mein Beileid.“

Beim schriftlichen Kondolieren rät Dirschauer von E-Mails oder gar SMS ab. Angemessen ist eine Beileidskarte oder ein Brief auf hochwertigem Papier. Im Zentrum des Kondolenzschreibens sollte eine knappe persönliche Reaktion auf den Todesfall stehen, etwa: „Die Nachricht vom Tode Ihres ... macht mich sehr traurig.’ Schön sei es auch, an ein persönliches Erlebnis mit dem Verstorbenen zu erinnern, findet Dirschauer: „Es sind gerade die längeren, persönlichen Briefe, die von den Trauernden dann aufgehoben und oft noch Jahre später immer mal wieder gelesen werden.“

Und wie verhält man sich, wenn etwa ein Kollege oder eine Kollegin einen Trauerfall zu bewältigen hat? Sollten alle Kollegen zusammen kondolieren oder lieber einzeln? „Ob man aus dem Kollegenkreis eine Karte schreibt oder alleine, würde ich davon abhängig machen, ob die trauernde Person zum Team oder zu mir ein gutes Verhältnis hat“, findet der katholische Priester und Klinikseelsorger Klaus Schäfer. Wenn etwa zu einigen aus dem Team ein gestörtes Verhältnis bestehe, mache es wenig Sinn, diese mit unterschreiben zu lassen, sagt der Theologe, der sich in zahlreichen Büchern mit dem Thema Tod und Trösten beschäftigt hat. Schäfer formuliert aus seiner langjährigen Erfahrung heraus vor allem die eine Grundregel: „Man sollte zum Ausdruck bringen, dass man am Leid des anderen Anteil nimmt. Wie man das macht, das ist dann zweitrangig.“ (epd)

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