Marktplatz: Stilvolles Kutschieren über Privatwege

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Zügellos: Eberhard Hartig trennt sich von der offenen Kutsche, die 30 Jahre lang in seinem Besitz war.

Wer sich ein neues Gefährt zulegen möchte, für den ist die PS-Zahl nicht unerheblich. Oft gilt: Je höher desto besser. Im Falle von unserer heutigen Marktseite kommen jedoch nur die Liebhaber echter Pferdestärken auf ihre Kosten.

Wir stellen eine Kutsche vor, die mit maximal zwei PS betrieben werden kann.„Eigentlich handelt es sich bei der Kutsche um einen Einspänner“, erklärt Eberhard Hartig aus Grebenstein, „doch man kann sie auch zum Zweispänner umfunktionieren.“ Vor 30 Jahren kaufte er die offene Kutsche von der Familie Siebert aus Udenhausen, wo sie bereits zuvor lange Jahre im Besitz war. „Familienmitglieder der Sieberts fuhren damit zur Hochzeit“, berichtet der 71-Jährige, „und auch ich habe damit Brautpaare zur Kirche fahren dürfen.“ Außerdem nahm er mit dem Viersitzer an Festumzügen teil, zum Beispiel beim Grebensteiner Viehmarkt oder auch beim Schützenfest.

Doch jetzt steht das schöne Stück schon seit einigen Jahren ungenutzt in der Scheune. „Ich hatte meiner Tochter einen Haflinger gekauft, der sich wunderbar als Kutschpferd eignete. Heute habe ich keine Pferde mehr, daher nutze ich auch die Kutsche nicht mehr“.

Vieles wurde restauriert

Als Eberhard Hartig die Kutsche vor 30 Jahren kaufte, hat er einiges in die Restauration investiert. Die Holzräder waren beispielsweise durchgefault und mussten von einem Schreiner und Stellmacher aus Hohenkirchen professionell repariert werden. Auch die Bremse war nicht mehr intakt und die Kotflügel wurden von Hartig selbst neu gebaut. Die Sitze der gefederten Kutsche wurden von einem Polsterer aufgearbeitet und mit grünem Kunstleder bezogen. „Hier verbirgt sich sogar noch eine Schatzkiste“, lacht der gelernte Landwirt, der später einen Landwarenhandel führte, und hebt die Sitzfläche einer Sitzbank an, „hier kann man zum Beispiel Getränke für die Fahrt unterbringen.“

Bildergalerie

Marktplatz: Alte Kutsche sucht neuen Besitzer 

Eine weitere Besonderheit der Kutsche ist der abnehmbare Kutschbock. Wer möchte, kann direkt von der hinteren Kutschbank aus kutschieren und die Pferde auf den richtigen Weg führen. Das darf übrigens keine Straße des öffentlichen Straßenverkehrs sein. Dafür ist die Kutsche nicht zugelassen, da die Räder und die Bremsen nicht den heutigen Anforderungen entsprechen.

Der begeisterte Reiter berichtet, dass seine Großeltern früher mit einer Kutsche noch regelmäßig nach Obermeiser gefahren wären. „Was das für ein Umstand war.“ Er und sein Bruder Karl haben bereits als Kinder gelernt, eine Kutsche zu handhaben. „Auf dem Feld wurde mit dem Einspänner gepflügt.“

Auch das Geschirr, die Halterung und die Gurte, die benötigt werden, um ein Pferd vor die Kutsche zu spannen, sind noch vorhanden und werden auf Wunsch gerne mit verkauft.

„Die Kutsche steht bei mir seit Jahren nur noch in der Scheune, was sehr schade ist“, begründet Eberhard Hartig den jetzigen Verkauf, „aber da ich kein Pferd mehr habe, wäre es sehr schön, wenn sie jemand bekommt, der sie zu schätzen weiß. Und sei es als reines Ausstellungsstück.“

Von Gitta Hoffmann

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