Vom Heu zur Wäsche - Treckerfahrten im Unterkleid

Ländliches Leben in Wülmersen originell in Szene gesetzt

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Grasmäher anno 1941: So wie Herwig Köster (vorne) und Horst Hesse zeigten auch viele andere Helfer vom Verein Historische Agrar- und Forsttechnik Gottsbüren, wie Heuernte früher ablief.

Wülmersen. Wenn historische Trecker flotte Damen zur Unterwäschemodenschau kutschieren, kann nur ein außergewöhnlicher Anlass dahinter stecken: So wie jetzt bei einer Großveranstaltung auf dem Gelände von Schloss Wülmersen.

„Das etwas andere Traktorentreffen“ hatte das Landmuseum als sommerlichen Programmhöhepunkt angekündigt und reichlich Neugier geweckt. Besucher in vierstelliger Zahl lockte es am Samstag und Sonntag in die idyllische Kulisse des mittelalterlichen Wasserschlosses.

Dort bot sich Gelegenheit zu bestaunen, was etliche Männer und einige Frauen zu sammeln pflegen: Schlepperveteranen sind es bei den einen, uralte Leinenwäscheteile bei den anderen. Ländliches Leben in früherer Zeit präsentierte das Museum, unterstützt von Freundeskreis und Förderverein, gemeinsam mit dem Verein Historische Agrar- und Forsttechnik Gottesbüren ganz originell.

Ein flottes Quartett: Spaß bei der Landmodenschau hatten außer dem Publikum auch die Weißwäscheträgerinnen (von links) Marie Schildknecht, Mara und Luisa Walther sowie Olga Kitlitschko (hier vor dem historischen Glockenturm des Schlosses).

Auf bulligen Alt-Karossen der Marken Lanz, Hanomag oder Fahr rollten die vier Models Olga, Marie, Luisa und Mara in den Schlosshof ein. Dem Publikum führten sie vor, was Frau einst unmittelbar am Leibe trug: weiße Leinen- und Baumwollwäsche von der offenen Pluderunterhose über das schlicht gewebte Allzweckhemd bis zum spitzenverzierten Unterkleid. Wissenswertes zum textilen Teil der Schau vermittelte Museumsleiterin Dorothea Fellinger. Wer eher ein Auge für die Technik hatte, lauschte den Ausführungen von Lars Rotzsche zu den rustikalen Limousinen der keuschen Dessous-Trägerinnen.

Mehr als 80 historische Raritäten auf großen Rädern gruppierten sich rund um das Wasserschloss. Selbst aus dem Holsteinischen und aus Dortmund waren Schlepperfreunde mit historischen Vehikeln angereist. Die ältesten Schätzchen stellte der Bulldog-Club Imbsen mit einem McCormick F12 und einem Lanz D9506, beide von 1939.

Frisch und gesund: Landmarktprodukte gab es bei Katy Wohlgemuth aus Langenthal.

Dass Trecker und weibliche Unterwäsche überhaupt zusammen kamen, lag an einem anderen Programmpunkt: Mit einem Großaufgebot von Mensch, Gerätschaften und Schleppern demonstrierten die Gottsbürener Freunde historischer Agrartechnik Heuernte in vergangener Zeit. Die bedeutete einst knallharte Arbeit.

Heu könnte aber auch, so hatten sich die Organisatoren mit einem Augenzwinkern gesagt, für ein spezielles Vergnügen stehen. Und so kam die Wäscheidee ins Spiel. Eine Assoziation nur für Erwachsene, Kinder kamen auf andere Weise auf ihre Kosten. Sie vergnügten sich auf der Strohburg oder werkelten im Bastelzelt.

Verbunden war das „etwas andere Traktorentreffen“ auch mit einem Land- und Kunsthandwerkermarkt. Am Samstagabend gab es Countrymusic mit New Pony. Den Sonntag eröffnete ein Gottesdienst in der Herrenhausruine.

Traktorentreffen in Wülmersen

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