Carlsbahntunnel

Ältester Eisenbahntunnel Hessens frei für Radler

Trendelburg. Nach 44 Jahren rollen wieder Räder durch den ältesten Eisenbahntunnel Hessens: Der Carlsbahntunnel bei Trendelburg-Deisel wurde am Freitag offiziell für Radfahrer und Wanderer im Verlauf des Hessischen Fernradweges R 4 und des Diemelradweges freigegeben.

Der Tunnel der ältesten Eisenbahnstrecke Hessens war 1970 stillgelegt worden und sollte vor einigen Jahren aus Sicherheitsgründen komplett versperrt werden. Langjährige Bemühungen von Radfahrern, Anwohnern und der Spitze des Landkreises Kassel sorgten dafür, die Widerstände bei Naturschutz und Forstverwaltung zu überwinden.

Die Öffnung des Carlsbahntunnels für Radfahrer und Wanderer ersetzt einen 1,8 Kilometer langen Umweg durch einen kurzen und zwei Steigungen durch einen kleinen Anstieg.

Kassels Erste Kreisbeigeordnete Susanne Selbert, die sich intensiv um die von anderen schon aufgegebene Tunnelöffnung eingesetzt hatte, sprach bei der Eröffnung von sehr dicken Brettern, die gebohrt werden musste. Zu den härtesten Brocken zählten die Forstverwaltung als Besitzerin des Tunnels und die Naturschutzbehörden mit ihren Bedenken wegen der Fledermäuse im Tunnel. Weil aber von drei Arten nur noch eine nachgewiesen werden konnte, lenkten Kreisbehörde und RP schließlich ein und genehmigten eine Öffnung in den Sommermonaten.

Als Kompromiss bleibt der Tunnel vom 1. November bis 1. April geschlossen. Die großen Gittertore dafür wurden schon vor Jahren montiert, um Menschen aus Sicherheitsgründen komplett aus dem Tunnel herauszuhalten.

Damit der 1848 eröffnete und noch erstaunlich gut erhaltene Tunnel ganz sicher für Wanderer ist, wurde die Tunnelröhre saniert. Insgesamt 495 000 Euro kostet die Maßnahme einschließlich einer Beleuchtung, die durch Bewegungsmelder eingeschaltet wird. Zur Stromversorgung wurden 1700 Meter Kabel von der Kläranlage Deisel her verlegt. „Eines der spannendsten Tourismus- und Denkmalschutzprojekte des Kreises Kassel war nur möglich durch finanzielle Hilfe Dritter“, stellte Vizelandrätin Selbert fest.

Jeweils 125 000 Euro zahlten die Bundes- und Landesdenkmalpflege, 133 000 Euro kamen von der Europäischen Union (Leader-Programm), 50 000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und 60 000 Euro zahlt der Landkreis selbst. Der Tunnel ist zunächst auf 25 Jahre gepachtet.

Ältester Eisenbahntunnel Hessens frei für Radler

Die beiden Tunnelportale wurden schon 2011 saniert. Wegen eines Naturschutzgebietes vor dem Südportal muss der frühere Bahndamm dort weiterhin umgangen werden. Auf der gesamten übrigen ehemaligen Bahntrasse zwischen Trendelburg und Bad Karlshafen verläuft der Diemelradweg.

Von Thomas Thiele

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