Anklage wegen gemeinschaftlicher schwerer räuberischer Erpressung und schweren Diebstahls mit Bedrohung

Überfälle in Veckerhagen: Drogenschulden wohl der Grund

Veckerhagen/Hann. Münden/Witzenhausen. Schulden aus Drogengeschäften spielen eine entscheidende Rolle in dem Prozess gegen zwei Männer aus dem Kreis Göttingen, der am Montag begonnen hat.

Es geht unter anderem um zwei Raubüberfälle auf einen Getränkemarkt am 23. und 28. Dezember vorigen Jahres in Veckerhagender, um drei Einbrüche in eine Baufirma in Hann. Münden im Herbst 2015 und um den Einbruch in die Beruflichen Schulen Witzenhausen im Februar 2014.

Die beiden Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft, die Männer im Alter von von 21 und 23 Jahren müssen sich wegen gemeinschaftlicher schwerer räuberischer Erpressung, gemeinschaftlichen Diebstahls im besonders schweren Fall, unter anderem mit Bedrohung, und schweren Diebstahls vor der 10. Großen Jugendkammer des Landgerichts Kassel verantworten. Die Verhandlung wird am Freitag, 9. September, ab 10 Uhr fortgesetzt.

Der 23-jährige sagte gestern aus, der 21-Jährige schwieg. Beide waren gute Freunde. Nach den gemeinsamen Straftaten war die Freundschaft zu Ende. Der jetzt 21-Jährige war bereits wegen schwerer räuberischer Erpressung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden.

Der 23-Jährige hat sich gestern bei dem überfallenen Verkäufer und dem Inhaber des Getränkemarktes entschuldigt. Mit vorgehaltener Schreckschusspistole und vermummt hatte er bei den Überfällen 1000 beziehungsweise 177 Euro erbeutet. Aus der Firma in Münden wurden 940 Euro gestohlen. Aus der Schule in Witzenhausen wurden elf Notebooks im Wert von 4770 Euro gestohlen, hinzu kommt ein Sachschaden von 3000 Euro.

Die Beiden, so sagte der ältere Beschuldigte aus, hatten aus Drogengeschäften Schulden von mehr als 1000 Euro gehabt. Davon seien 200 Euro auf ihn selbst entfallen. Wie die gestrige Verhandlung unter dem Vorsitz von Richter Dreyer ergab, kam das geschuldete Geld aber nie bei dem Drogenhändler an. Er ist den Behörden nicht bekannt und wurde vor Gericht als „Mister X” bezeichnet.

„Ich wusste nicht, wo ich das ganze Geld herkriegen sollte”, sagte der 23-Jährige. Eine Woche vorher habe der damalige Freund die Idee gehabt, den Getränkemarkt zu überfallen. Er selbst sei anfangs damit nicht einverstanden gewesen, „weil ich vorher sowas noch nie gemacht habe.”

Der Freund habe ihm Schläge angedroht. Von den bei der ersten Tat erbeuteten 1000 Euro habe er nur 30 Euro für die Taxifahrt genommen. Alles andere habe der 21-Jährige bekommen und zum Teil verzockt.

Der 23-jährige gestand, Hasch und Amphetamine zu konsumieren und auch vor den Überfällen genommen zu haben: „Das gibt noch einen Kick dazu.” Obwohl der Täter vermummt war, erkannte ihn der Mann an der Kasse des Marktes beim zweiten Überfall sofort wieder. Der Täter sei sehr nervös, aber relativ freundlich gewesen.

Da er sich durch die Waffe bedroht fühlte, habe er beim ersten Mal die gesamte Weihnachtseinnahme ausgehändigt, „und ich habe ihm noch ein schönes Weihnachtsfest gewünscht”. Bei dem zweiten Überfall sei es für ihn schlimmer gewesen: „Ich habe mich gefragt, wann kommt der wieder?”

Wie die gestrige Zeugenvernehmung ergab, wusste ein 50-Jähriger Bekannter von den geplanten Überfällen. Dabei sei auch von einer Spielhalle in Reinhardshagen die Rede gewesen. Nach dem zweiten Überfall habe der 23-Jährige gesagt, das Geld für den Unbekannten reiche immer noch nicht. Mehrfach habe er versucht, ihm die Straftaten auszureden. Er habe aber nicht zur Polizei gehen wollen: „Es ist ja ohnehin rausgekommen.”

Rubriklistenbild: © Mediasuite

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