2018 ist die letzte Operation geplant

Kind mit Kampfgeist: Vierjähriger Leon aus Holzhausen hatte schon fünf Herz-OPs

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Wollen sich bedanken: Der vierjährige Leon mit seinen Eltern Daniela Wehrmann und Marco Barthel. Für das Wochenende lädt die Familie zu einem Hoffest in Holzhausen ein.

Holzhausen. Die erste Operation hatte Leon Wehrmann, da war er fünf Tage alt. Der Vierjährige hat einen schweren Herzfehler. Wer den aufgeweckten Holzhäuser trifft, merkt davon wenig.

Leon wurde bereits fünf mal am Herzen operiert, hat 15 Herzkatheter gehabt und 33 Vollnarkosen bekommen. Die aufwendigen Operationen dauerten jeweils zwischen sechs und zehn Stunden. „Unser Sohn hat den schwersten Herzfehler der Welt“, sagt Mutter Daniela Wehrmann.

Aktualisiert um 13.40 Uhr

Leon hat nur ein halbes Herz, dass die Arbeit eines kompletten Organs stemmen muss. Außerdem ist es spiegelverkehrt, sitzt also auf der rechten Brustseite. „Criss-Cross-Herz“ nennt sich das, das gekreuzte Herz. Die Anschlüsse zur Lunge fehlten ebenfalls. Es ist eine Laune der Natur, mit der Leon seit seiner Geburt zu kämpfen hat.

Aufgefallen ist der Herzfehler in der 20. Schwangerschaftswoche durch ein so genanntes Organscreening, eine Ultraschalluntersuchung in der Kasseler Koch-Klinik. „Wir hatten wahnsinniges Glück, das wird nicht immer gemacht“, betont Daniela Wehrmann.

Der lange Weg nach Bonn

Wer mit der Mutter spricht, merkt schnell: Die 40-jährige musste viel durchstehen und ist dabei stark geblieben. Wenn sie jedoch gefasst von ihrem Sohn erzählt, ist es schwer, sich die Kraft des Jungen auch nur vorzustellen, der in so wenigen Jahren bereits viel zu viel von der Kinderherzklinik in Bonn gesehen hat, wo er behandelt wird. Bestimmte Abschnitte der Strecke von Holzhausen nach Bonn erkennt Leon wieder und fängt an zu weinen - weil er weiß, was auf ihn zukommt. Sechs bis acht Wochen verbringen er und seine Mutter pro Operation in der Klinik, die Kosten trägt die Krankenkasse.

Was aber macht man in all dieser Zeit? „Monitore beobachten und sehr, sehr viel reden“, sagt Daniela Wehrmann, die im Lager bei VW in Baunatal arbeitet und seit der Krankheit ihres Sohnes beurlaubt ist. Oft werden sie und Leon von ihrer Schwester oder dem Patenkind begleitet, während Vater Marco Barthel im Geschäft die Stellung halten muss. Leon selbst ist nach den schweren Operationen häufig noch Wochen in Narkose. Verwandte und Bekannte helfen der Familie aus, wo sie können, „ohne sie hätten wir es wohl kaum geschafft“, sagt die Mutter.

Vollgas oder Schlafen

Seit 2013 wohnen Leon, Daniela Wehrmann und Lebensgefährte Marco Barthel in Holzhausen. Die Familie ist mit ihrer Landfleischerei von Wilhelmshausen umgezogen und hat sich damit einen Traum erfüllt: Selbst schlachten zu können und direkt über dem Geschäft zu wohnen.

Während des Gesprächs mit seiner Mutter kommt Leon vom Kindergarten nach Hause und mischt den Laden seiner Eltern erst einmal gehörig auf. Seine Herzfehler merkt man ihm nicht an, er wirkt wie ein aufgeweckter, lebenslustiger Vierjähriger, der nach dem Vormittag im Kindergarten noch jede Menge Energie hat. „Natürlich wird er aber schneller müde als die anderen Kinder“, erklärt Daniela Wehrmann, „bei ihm gibt es nur Vollgas oder Schlafen“.

Für 2018 ist die letzte Operation geplant, die Leons Herz so gut es geht den Normalbetrieb ermöglichen soll. Auf dem Weg dahin musste die Familie immer wieder Rückschläge hinnehmen. Lungenentzündungen, ein Darmverschlusss und jedes Mal das Bangen: Hoffentlich übersteht Leon die Operationen. „Diese Bilder hat man immer im Kopf“, sagt seine Mutter.

Über 1000 Fotos hat sie von Leon gesammelt. Es sind manchmal schlimme Fotos, der Vierjährige liegt im Krankenhausbett, das Gesicht voller Schläuche und Verbände. „Wir gucken später auf die Bilder und sagen ihm: Das hast du alles geschafft“, erklären die Eltern.

Hoffest in Holzhausen am Wochenende

Die Landfleischerei Marco Barthel lädt für Samstag und Sonntag, 9. und 10. Juli, zu einem großen Hoffest nach Holzhausen, Kasseler Straße 79, ein. Am Samstag wird Party-Nordhesse Reiner Irrsinn mit seiner Show für Unterhaltung sorgen. Los geht es um 18.30 Uhr, Einlass ist ein halbe Stunde vorher. Am Sonntag startet das Hoffest um 11 Uhr mit der Band Madison. Für ganz junge Besucher gibt es Kinderschminken und Bilderrahmen zum Bekleben. Ab 13 Uhr ist ein Bubble-Football-Wettkampf geplant. Wer mitmachen will, kann sich bis zum Sonntagmorgen anmelden. Für Speisen und Getränke ist mit Gegrilltem sowie Kaffee und Kuchen an beiden Tagen gesorgt. Der Besuch am Sonntag ist kostenlos, am Samstag bezahlen Gäste fünf Euro. Die Eintrittskarte ist zugleich ein Los für die Hoffest-Tombola, der Hauptpreis: ein Spanferkel. Der Reinerlös aus den Einnahmen des Hoffestes wird an den Verein Kinderherzen gespendet, der sich für herzkranke Kinder einsetzt. Über bereitgestellte Spardosen können die Besucher ebenfalls spenden. Weitere Informationen zum Verein unter www.kinderherzen.de.

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