Für den Vogel-Ausweis: Nur ein Storch-Beringer im Kasseler Raum

Ohne Ring: Wilfried und Rüdiger (rechts) blieben aufgrund des ungünstigen Wetters unberingt. Foto: Temme

Deisel. Einen Storch-Beringer zu finden, ist nicht so einfach: Thomas Weiß ist so jemand. Er ist derzeit der einzige im Kasseler Raum, der Meister Adebar quasi einen „Personalausweis" verpassen kann.

Auch den beiden Deiseler Jungstörchen Wilfried und Rüdiger wollte der Zierenberger kürzlich Ringe anlegen. Leider musste die Aktion abgebrochen werden, da die Feuerwehr sich wegen einer zu nassen Wiese nicht mit der Drehleiter dem Horst nähern konnte.

Hält ein Storchenleben lang. Thomas Weiß zeigt hier einen Ring, den Jungstörche bekommen. In Deisel konnte die geplante Beringung nicht vollzogen werden, da es der Feuerwehr aufgrund der Wetterverhältnisse nicht möglich war, sich dem Horst zu nähern. Foto: Temme

Eigentlich ist der Zierenberger auf Sperber spezialisiert, die er nun schon seit 22 Jahren im Habichtswald kartiert und beringt. „Von April bis Juni bin ich jede freie Minute im Wald unterwegs, um Sperberhorste ausfindig zu machen“, sagt der 48-Jährige. Im Gegensatz zu den Störchen holt er die jungen Sperber in einem Sack aus dem Horst, beringt sie schnell am Boden und bringt sie wieder nach oben. „Da junge Störche in eine sogenannte Akinese fallen, also eine natürliche Schockstarre, ist es kein Problem sie im Horst zu beringen.“

Auch Attacken von Mutter- oder Vater-Storch brauchte Weiß bisher nicht befürchten. „Normalerweise verlassen die Alten den Horst sobald man sich ihm nähert - allerdings behalten sie das Geschehen die ganze Zeit im Auge.“ Da die Jungstörche nur zwischen der vierten und sechsten Woche in Akinese fallen, ist nur in diesem Zeitrahmen eine Beringung möglich.

Aufgeweichte Wiese 

Wegen starker Regengüsse war die Wiese in Deisel vor Kurzem derart aufgeweicht, dass Manuel Zeich von der Hofgeismarer Feuerwehr Bedenken hatte, diese mit der 18 Tonnen schweren Drehleiter zu befahren.

„Drei Wochen braucht es mindestens bis eine Wiese abtrocknet und dann haben die Störche nicht mehr das entsprechende Alter, um beringt zu werden“, erklärte der Hobby-Ornithologe.

Normalerweise bekommen Störche im oberen Teil ihres Beines, dem Torsalgelenk, den Ring angelegt. Dieser gibt Auskunft über das Land, in dem sie geboren sind und gibt ihnen anhand einer Zahlenreihe ihre Identität. „Wenn wir die Tiere schützen wollen, müssen wir auch etwas über sie wissen“, sagt Weiß.

Daten in Helgoland 

Er sei davon überzeugt, dass das Anlegen des Ringes minimalen Stress für die Vögel bedeute und auch das Tragen des selbigen keine Einschränkung mit sich bringe. Gespeichert sind die Daten der Tiere auf der Vogelwarte Helgoland, zu der die Kasseler Region gehört. Sollte der Horst nächstes Jahr wieder Junge hervorbringen, so wird Weiß in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Altkreis Hofgeismar bestimmt abermals versuchen, die Jungvögel zu beringen.

Betty und Gerdi 

Noch heißen die beiden Deiseler Storch-Jungtiere Wilfried und Rüdiger. Der Name Rüdiger sei ein Dankeschön an Rüdiger Germeroth von der Unteren Naturschutzbehörde gewesen, der sich stark gemacht hätte für die Errichtung verschiedener Storchenmasten, erklärt Naturschützerin Christiane Sasse.

Der kleinere der beiden Storch-Jungtiere wurde Wilfried getauft, weil Förster Wilfried Bettenhausen bei der geplanten Beringung große Hilfsbereitschaft gezeigt habe. Da bisher das Geschlecht nicht bestimmt werden konnte, gibt es aber auch weibliche Ersatznamen: Für Wilfried lautet er Betty und für Rüdiger wurde Gerdi gewählt.

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