„Vorschneller Wiederaufbau"

Waldschule Zwergen: Ortshistoriker Köster kritisiert Ungenaugkeiten

+
Wiederbelebt: Die vor über 90 Jahren entstandene Waldschule in Zwergen wurde von Richard und Doris Winter wieder aufgebaut. Hergestellt werden muss noch der Fußweg am Berghang. Dann soll sie im Frühjahr eingeweiht werden.

Zwergen. Kritik am nach seiner Ansicht „vorschnellen Wiederaufbau" der sogenannten Waldschule in Zwergen übt der Ortshistoriker Helmut Köster.

Der vom Zwerger Ehepaar Winter vorbereitete und umgesetzte Wiederaufbau der von den 1920er bis Anfang der 1960er Jahre bestehenden Einrichtung (wir berichteten) ignoriere einige historische Fakten und sei noch dazu am falschen Ort erfolgt, erklärte Köster in einer Stellungnahme an die HNA.

Das Engagement der Eheleute Winter sei zwar sehr lobenswert, weise aber einige Mängel auf, sagte Köster in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Das Areal der Waldschule liege nach wie vor nicht am Kirchberg (von Winter als Kerberg bezeichnet), sondern am Eichhölzchen. Rektor Paul Setz sei von 1933 bis 1949 (und nicht 1947) als Lehrer in Zwergen tätig gewesen, moniert Köster. Setz habe die Waldfreilichtpädagogik zwar entscheidend mitgeprägt, die Waldschule sei jedoch bereits 1924 von seinen Vorgängern Heinrich Grede und Georg Holzapfel genutzt worden, stellt Köster klar. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit der Ortsgeschichte von Zwergen und insbesondere der Waldschule. Die Schule im Freien sei noch Anfang der 1960er Jahre genutzt worden und endete erst 1966 mit Schließung der Volksschule.

Heftig kritisiert Köster vor allem die „Schaffung falscher Tatsachen“ mit einem historisch unkorrekten Aufgang und dem falschen Platz für das Klassenzimmer im Wald. Der Platz der Waldschule habe einige Meter nebenan gelegen, was Winter aber auch nicht bestritten und mit der aktuellen Situation begründet hatte. Der dortige Bewuchs aus fingerdicken Aufschlägen und Gestrüpp, so meint Köster, hätte leicht entfernt werden können. Der Ortsvorsteher habe dazu schon Kontakt mit dem zuständigen Förster aufgenommen, doch Richard Winter habe die Erledigung dieser Arbeiten nicht abwarten wollen.

Auf dem jetzt erstellten Platz hätten sich früher Sportgeräte wie ein Schwebebalken und daneben eine Sprunggrube befunden. Diesen Platz hätte man auch wiederherstellen müssen, damit es vorbildgetreu wäre, kritisiert Köster weiter. Historisch korrekt wären auch der frühere Antreteplatz und die Stille Ecke (Strafecke) gewesen.

Die Stadt Liebenau ist dagegen mit dem Einsatz Richard Winters sehr zufrieden. Von einer „Gleichgültikeit der Zwerger Kommunalpolitiker“ könne nicht die Rede sein. Der Ortsbeirat habe sich schon lange mit dem Thema beschäftigt und eine Unterstützung auch zur Gründung des Arbeitskreises zugesagt, der sich auch praktisch engagieren wolle. Der überwiegende Teil der Zwerger Einwohner stehe hinter dem Projekt.

„Das ist eine gute Sache“

Der städtische Bauhof habe sich unter anderem bei der Wiederherstellung des Waldweges eingebracht, der Bürgermeister selbst stellte die Kontakte zur Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mit ihren Waldpädagogikplänen her.

Munser: „Die Abweichungen vom Original sind irrelevant. Das Ganze ist eine gute Sache, um den Tourismus voranzubringen.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.