Baustart für Anlage am Deiselberg – Genehmigung für Windpark steht noch aus

Windrad weiter umstritten

Der Bagger für die Gründungsarbeiten steht schon bereit: Der Abstand zur Wohnbebauung am Weiler Deiselberg beträgt keine 1000 Meter. Das war genehmigungsfähig, weil der Weiler nicht als Ortslage gilt, heißt es seitens des RP. Foto:  Henke

Trendelburg. Ganz in der Nähe der Trendelburger Kernstadt wird schon bald eine Windenergieanlage (WEA) mit einer Gesamthöhe von rund 200 Metern in den Himmel ragen. Proteste der Bewohner des Weilers Deiselberg gegen den Bau hatten keinen Erfolg. Das Regierungspräsidium (RP) in Kassel hat das Vorhaben genehmigt.

Auch die Stadt Trendelburg hatte in einer Stellungnahme an das RP angemerkt, dass der mit der WEA „verbundene herausgehobene, zusätzliche Eingriff in das Landschaftsbild nicht tolerierbar erscheint“. In der Tat wird die Anlage den von allen Himmelsrichtungen aus sichtbaren 389 Meter hohen Deiselberg in der Höhe noch übertreffen.

Die Bewohner des Deiselbergs selber verstehen nicht, dass die Anlage nur 600 Meter von ihrem Weiler entfernt erlaubt werden konnte. Normal sind 1000 Meter Mindestabstand zu Ortslagen. „Das RP ist uns nicht gefolgt und sah keine Gründe die Genehmigung für die Anlage zu versagen“, bedauert auch Trendelburgs Bürgermeister Kai Georg Bachmann die Entscheidung. Gleichzeitig hofft er, dass die Stadt von der irgendwann zu erwartenden Gewerbesteuer aus dem Betrieb der Anlage profitieren werde.

Bernhard Sulk, Jagdaufseher und Bewohner des Deiselbergs, meint, die Stadt sei nicht mit dem nötigen Nachdruck gegen die WEA vorgegangen. „Das Schielen auf die Gewerbesteuer, wird sich als Trugschluss erweisen“, so Sulk, „da wird nicht viel bei herauskommen.“

„Veraltete Gutachten“

Für noch gravierender hält Sulk allerdings naturschutzrechtliche Bedenken gegen die WEA am Deiselberg. Denn er selbst hat vier Horste des streng geschützten Rotmilans in der unmittelbaren Umgebung der geplanten Anlage kartiert. Zudem hat der Jagdaufseher zahlreiche Fotos, die zeigen, wie der Greifvogel am und um den Deiselberg kreist. Sulk: „Da sind offenbar veraltete Gutachten herangezogen worden, die bei weitem nicht zutreffen.“

Fachlich habe die Obere Naturschutzbehörde den Standort bewertet, sagt Michael Conrad, Pressesprecher des RP. Eine Gefährdung von schützenswerten Arten wie dem Rotmilan werde „an dieser Stelle nicht gesehen“.

Während das Einzelwindrad endgültig genehmigt ist, steht sie für die Windvorrangfläche KS 12 noch aus. Hier wollen die Investoren sieben Anlagen errichten. Die Fläche liegt zum größten Teil im Wald und ist Eigentum von Hessen Forst und damit des Landes. Mit einer Entscheidung sei noch in diesem Sommer zu rechnen, so Conrad.

Von Gerd Henke

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