Bei den hiesigen Verkehrsunternehmen stößt er damit allerdings auf ein geteiltes Echo. Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) hält ein generelles Verbot für nicht sinnvoll. „Dadurch würde es nur zu einer Verlagerung des Problems kommen - aus dem Fahrzeug an die Haltestellen und Bahnhöfe“, vermutet Sprecherin Sabine Herms. Gemäß den Beförderungsbedingungen des NVV könne man schon jetzt betrunkene oder berauschte Menschen vor die Tür setzen.
Zwar kenne man Probleme mit alkoholisierten Fahrgästen, vor allem an Wochenende, sagt Herms, aber nicht so ausgeprägt wie in Ballungsräumen etwa im Rhein-Main-Gebiet. Wenn ein Verbot eingeführt werde, stelle sich vor allem die Frage, wer dessen Einhaltung kontrollieren solle. An der Durchsetzbarkeit eines flächendeckenden Verbots in personeller und finanzieller Hinsicht hatte auch die Verkehrsministerkonferenz der Länder im Oktober Zweifel geäußert. Gelte eine solche Regelung nur teilweise, schüre dies unter Umständen Konflikte mit Fahrgästen.
KVG für einheitliche Lösung
Die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) würde grundsätzlich eine landesweit einheitliche Regelung begrüßen, sagt Sprecherin Heidi Hamdad. Das Thema werde KVG-intern immer wieder diskutiert. Einerseits wolle man kundenfreundlich sein. „Wir möchten, dass Menschen die Alkohol getrunken haben, sich nicht mehr hinters Lenkrad setzen, sondern die sicheren öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.“
Auf der anderen Seite würden einige Fahrer und Fahrausweisprüfer sich ein Verbot wünschen, da es mit alkoholisierten Fahrgästen eher Schwierigkeiten gebe als mit nüchternen. Die Fälle, in denen ein betrunkener Passagier des Fahrzeugs verwiesen werde, seien aber selten.
Wenn alkoholisierte Fahrgäste, etwa durch Erbrochenes, Bus oder Bahn verunreinigen, werden sie von der KVG mit 15 Euro Reinigungspauschale beteiligt. Auch bei Sachbeschädigung werden Randalierer zu den Kosten herangezogen, wenn die Personalien bekannt sind.
Bei der Metronom Eisenbahngesellschaft, die im Nachbarland Niedersachsen verkehrt, gibt es seit Dezember 2009 kein Pardon mehr für Fahrgäste, die Alkohol an Bord konsumieren. Mit dem strikten Verbot habe man gute Erfahrungen gemacht, sagt Sprecherin Hannah Kohn.
Weniger Straftaten
Sicherheit und Komfort für die Fahrgäste seien erhöht worden. Seit Einführung des Verbots habe sich die Zahl der Straftaten um mehr als die Hälfte reduziert, es gebe 65 Prozent weniger Müll in den Zügen, und die Kosten zur Beseitigung von Vandalismusschäden seien um fast ein Drittel gesunken. Aus Kundenbefragungen wisse man, dass 80 Prozent der Fahrgäste das Verbot befürworteten. (wet)
Von Katja Rudolph
































