Luftaufnahmen von Kassel: Eine Stadt, zwei Gesichter - Teil 4

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    • 03.12.10
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Bilder zeigen deutlich die gravierenden Veränderungen im Stadtbild

Luftaufnahmen von Kassel: Eine Stadt, zwei Gesichter - Teil 4

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Ist das wirklich dieselbe Stadt? Beim ersten Blick auf die beiden Luftbilder könnte man da durchaus Zweifel bekommen. Die Schwarz-Weiß-Aufnahme stammt aus den 1930er-Jahren - wir zeigen, wie es an gleicher Stelle heute aussieht.

Niederzwehren früher: Viele Hofanlagen rund um die Kirche bestimmten damals das Bild. Im Jahr 1939 wurde die Frankfurter Straße verbreitert, der Perlenhof musste damals weichen.

Kassel. Nicht nur im Zentrum hat sich das Stadtbild in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert. Die Gegenüberstellung der Luftbilder aus dem Jahr 1939 und von heute vom Niederzwehrener Ortskern rund um die Matthäuskirche macht das deutlich. Der Kasseler Historiker Christian Presche hat sich die Aufnahmen für uns genauer angesehen.

Links von der Bildmitte (altes Foto), in der Biegung der Frankfurter Straße wird demnach gerade der Perlenhof abgerissen. Das war im Sommer 1939. Hier sollte die Straße verbreitert werden. Hintergrund war die geplante Verlängerung der Straßenbahn nach Altenbauna, deren Gleise dann über das Hofgelände gelegt wurden (Jungfernfahrt 16. Februar 1941). An der Stelle des Perlenhofs soll sich im Mittelalter der Sitz der Ritter von Zwehren befunden haben, die seit 1252 bis in das 16. Jahrhundert hinein nachweisbar sind.

Niederzwehren heute: Die Aufnahme aus dem Sommer zeigt nicht nur eine veränderte Matthäuskirche im Zentrum, sondern auch die breitere Frankfurter Straße sowie größere Neubauten wie das Awo-Altenzentrum.

Beim Vergleich der beiden Luftbilder sieht man, wie die Frankfurter Straße inzwischen auf ein Vielfaches ihrer alten Breite vergrößert ist. Die alte Landstraße war in der Nachkriegszeit für den zunehmenden Verkehr nicht mehr ausreichend, mehrere große Gehöfte sind der Verbreiterung zum Opfer gefallen. Die Veränderung erkennt man auch an der Straße Wartekuppe. Über das kleinere Gehöft Wartekuppe 2 und das Haus Frankfurter Straße 303 gehen heute die Straßenbahnschienen und die stadteinwärts führenden Fahrbahnen der Straße.

Von den Gebäuden am Bildrand unten links 1939 ist nur noch das Haus Perlengasse 2 erhalten. Überhaupt ist der Ortskern auf dem aktuellen Luftbild kaum mehr als altes Bauerndorf erkennbar. Nicht nur die großen Hofanlagen an der Frankfurter Straße sind verschwunden, sondern auch ein Gehöft, das man 1939 noch an der Gasse „Am Wehrturm“ erkennt.

Heute befindet sich dort das Elisabeth-Selbert-Haus, das 1979 als Bürgerhaus Niederzwehren eröffnet wurde und 1986 seinen jetzigen Namen erhielt.

Kirche mit Wehrturm

Unmittelbar neben dem Perlenhof sieht man die evangelische Matthäuskirche. Der Kirchturm ist der älteste erhaltene Bauteil und wurde 1472 vollendet. 1913/14 baute man die Kirche mit dem charakteristischen Wehrturm vollständig um und erweiterte sie durch einen seitlichen Anbau auf der Südseite. Auf dem Luftbild von 1939 kann man diesen Anbau gut erkennen, auf dem aktuellen Luftbild fehlt er dagegen. 1984/85 wurde die Kirche erneut umgebaut und wieder auf das Bauvolumen von 1790-93 reduziert.

Trotz der Veränderungen und der Neubauten hat der alte Kern von Niederzwehren einiges vom Charme früherer Jahre erhalten können. Die Gassen rund um die Kirche und das angrenzende Märchenviertel - hier lebte Dorothea Viehmann - haben heute noch Dorfcharakter.

Von Thomas Siemon

Fotostrecke: Eine Stadt, zwei Gesichter

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