Und weil der in Kassel entwickelte und inzwischen weltweit im öffentlichen Nahverkehr verwendete Bordstein 18 Zentimeter hoch ist, können die Bus- und auch die Straßenbahnfahrgäste besonders bequem ein- und aussteigen.
Entwickelt wurde der Kasseler Bordstein ab 1988 von der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) in Zusammenarbeit mit der Fröhlich Bau-AG. Damals hatte man sich beim Kasseler Nahverkehr für das bequeme Niederflur-System entschieden. „Lasst euch mal was einfallen, wie wir die Haltestellen verbessern können“, hatte der damalige KVG-Chef und spätere Oberbürgermeister Wolfram Bremeier von seinen Mitarbeitern gefordert. „Das ist eine Teamarbeit gewesen“, erinnert sich KVG-Bauexperte Reiner Brandau. „Unser Interesse war damals eher mäßig“, denkt Diplom-Ingenieur Wolfgang Hasch zurück, damals Fröhlich-Mitarbeiter.
Heute ist das Interesse an dem pfiffigen Sonderbord gewaltig, und Hasch freut sich über seinen Exportschlager. Der Kasseler Bordstein ist in der Verkehrswirtschaft ein anerkannter Begriff und hat in Deutschland sowie international Maßstäbe gesetzt. Fahrgäste schätzen die Bequemlichkeit, Verkehrsunternehmen schätzen den dadurch möglichen schnelleren Fahrgastwechsel.
„Das kann ein Fahrzeug weniger bedeuten, das wir auf einer Linie brauchen“, erklärt Brandau: „In der Summe sparen wir mit dem Bordstein Geld.“ Der Reifenverschleiß bei den Omnibussen wird durch den Bordstein um 40 Prozent verringert. Und auch die Busfahrer haben es bequem: Sie können einfach ganz dicht heranfahren an die Haltestelle.
In der nächsten Folge geht es um den neuen Edeka-Markt Aschoff.
Von Jörg Steinbach
Hintergrund: Mit Sonderbord gut im Geschäft
Bereits 45 Prozent der Bushaltestellen der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) und 95 Prozent der Straßenbahnhaltestellen sind mit dem Kasseler Sonderbord ausgestattet und ermöglichen den Fahrgästen bequemes Ein- und Aussteigen. Die ersten Bordsteine wurden im Jahr 1990 an den Haltestellen vor dem neu errichteten Bahnhof Wilhelmshöhe eingebaut. Ein Meter Sonderbord kostet mit rund 80 Euro deutlich mehr als ein normaler Bordstein-Meter für 50 bis 60 Euro. Weil der Kasseler Bordstein als Ansteuerungshilfe für Nahverkehrs-Omnibusse dient, muss er besonders robust sein und wiegt etwa fünfmal so viel wie ein regulärer Bordstein, was auch den höheren Preis erklärt.
Mit dem Spezialbord ist die Borkener Firma Profilbeton mit 25 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund sechs Millionen Euro weltweit gut im Geschäft. Lizenznehmer gibt es in England, Holland, Israel, Südafrika, Neuseeland und Australien. Weltweit wurden bisher rund 1,5 Millionen Meter Kasseler Bordstein eingebaut. Profilbeton-Inhaber Wolfgang Hasch hatte das Patent von der 1998 in Konkurs gegangenen Baufirma Fröhlich – seinem damaligen Arbeitgeber – übernommen, das Risiko gewagt und sein eigenes Unternehmen gegründet. Inzwischen wurde der international gefragte Kasseler Bordstein von der Firma Profilbeton für zusätzliche Nahverkehrsanwendungen weiterentwickelt. (ach)
































