Das perfekte Dinner: Selbstmord nach TV-Auftritt - Cybr-Mobbing?

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    • 05.04.12
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Freitod nach TV-Auftritt beim „Perfekten Dinner“

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Kassel / Vellmar. Die 32-jährige Claudia B. aus Vellmar, die in der letzten Märzwoche in der Vox-Kochshow „Das perfekte Dinner“ als Kandidatin zu sehen war, hat sich am Dienstag dieser Woche in ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in einem Stadtteil von Vellmar das Leben genommen.

Alles für das Perfekte Dinner: Das Fernsehteam begleitete Claudia B. auch beim Einkauf für die Kochshow. Die Folgen wurden zwischen Montag, 26. März, und Freitag, 30. März, ausgestrahlt. Am Dienstag, 3. April, schied die Kandidatin aus dem Leben. Foto:  Vox

Offiziell äußern sich Polizei und die Freiwillige Feuerwehr in Vellmar, die bei dem Unglück im Einsatz waren, nicht.

Eine Bewohnerin des Hauses sagte am Donnerstag gegenüber der HNA, dass es am Dienstagnachmittag einen großen Einsatz gegeben habe. Sie habe einen „komischen Geruch“ im Flur wahrgenommen, möglicherweise nach Gas, und deshalb sofort das Haus verlassen. Abends habe sie dann im Internet eine Folge der Kochshow angesehen, sagt die Bewohnerin. Sie habe nicht fassen können, dass sich so eine fröhliche junge Frau das Leben nimmt.

Am Mittwochmorgen um 8.02 Uhr tauchte die erste Beileidsbekundung auf der Facebook-Seite von Claudia B. auf. Seitdem haben zahlreiche Facebook-Freunde von Claudia B. gepostet und ihre Fassungslosigkeit zum Ausdruck gebracht. Sie fragen: Warum hat die 32-Jährige ihrem Leben ein Ende gesetzt?

Schnell tauchte das Gerücht auf, ein Grund für den Freitod sei gewesen, dass Claudia B. nach der Ausstrahlung der Kochshow-Folgen im Internet gemobbt worden ist. Claudia B. kam nicht als talentierte Köchin rüber, sondern vor allen Dingen als Selbstdarstellerin, die offen über ihre künstlichen Brüste plauderte und sich mit offensiver Naivität präsentierte.

Internet-Mobbing sei sicherlich ein ernst zu nehmendes Thema und das seit vielen Jahren, sagt Corinna Teuner, Pressesprecherin von Vox. „Inwiefern Cyber-Mobbing im konkreten Fall eine Rolle gespielt hat, können wir nicht sagen.“ Es habe bei den Dreharbeiten Mitte Januar mit den fünf Kasseler Kandidaten auch keine außergewöhnlichen Vorkommnisse gegeben. „Nach Rücksprache mit allen Beteiligten können wir heute sagen, dass die Dreharbeiten in einem ganz normalen Rahmen und ohne Unstimmigkeiten verlaufen sind“, sagt Teuner.

Auch während und nach der Ausstrahlung sei Claudia B. weder an die Produktionsfirma noch an den Sender mit Bedenken herangetreten. Spezielle Wünsche ihrerseits bezüglich der Ausstrahlung seien umgesetzt worden. „Ein Zusammenhang lässt sich deshalb aus unserer Sicht ausschließen“, sagt die Vox-Sprecherin. Bei dem Sender sei man sehr bestürzt über den Tod der Kandidatin. „Unser Mitgefühl und unser Beileid gilt aber gerade natürlich in erster Linie der Familie und den Freunden der Verstorbenen.“ Der Sender habe sofort reagiert, indem man alle Sendungen und Fotos mit der Kandidatin von den Internetplattformen genommen habe, sagt Teuner.

Eine der gelöschten Facebook-Seiten zum „Perfekten Dinner“ liegt der HNA vor. Dort wurde Claudia B. kritisiert - und rechtfertigte sich vor den Kritikern.

Von Ulrike Pflüger-Scherb und Axel Schwarz

Privates bleibt privat: Tipps zum Datenschutz im Netz

Die eigene Reputation im Internet – mit der wachsenden Bedeutung sozialer Netzwerke wird sie immer wichtiger. Gerade für jüngere Menschen, die ganze Teile des Lebens ins Internet verlagern und dort wie selbstverständlich Kontakte knüpfen.

Problem: Durch die neue Dimension der eigenen Öffentlichkeit – das Netz kennt keine räumlichen und zeitlichen Grenzen - ist man nicht mehr Herr des eigenen Profils. Das Selbstbild wird geprägt von Fremdeinwirkungen. Und wo früher nur ein paar Gaffer stehen blieben, wartet nun ein neugieriges Millionenpublikum. Multiplikatoren. Das kann eine Chance sein. Es bedeutet aber auch eine Last.

Cyber-Mobbing ist eine der negativen Begleiterscheinungen der neuen Medien. Darunter versteht man absichtliches Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen mithilfe moderner Kommunikationsmittel – nicht nur in sozialen Netzwerken, sondern auch per Handy.

Doch Mobbing kann auch unbeabsichtigt geschehen: Gerade die vermeintliche Anonymität des Netzes verleitet zu Aussagen, die man nicht treffen würde, stünde man sich gegenüber. Denn eine Reaktion des Opfers, das man nicht oder nur über das Netz kennt, bleibt für den Täter unsichtbar. So kann bereits eine nur scherzhaft gemeinte Äußerung auch ganz ohne böse Absicht schlimme Folgen haben.

Erste Hilfe: Mobbing kein Kavaliersdelikt

Mobbing bedeutet auch bei Fällen im Internet psychische Gewalt und kann zur Anzeige gebracht warten. Warten ist keine Lösung: Wer gemobbt wird, sollte sich nicht schämen und verstecken, sondern als Beweismittel Bildschirmfotos machen und so schnell wie möglich Freunde, Lehrer oder die Polizei informieren.

Die Realität sieht allerdings anders aus: Eine Studie ergab erst im Februar, dass gerade Jugendliche selten Erwachsene kontaktieren, kaum in Konflikte anderer eingreifen und nur selten eine „Melden“-Funktion auf Online-Plattformen nutzen. Die eigene Fähigkeit, das Problem zu bewältigen, wird dabei ebenso über- wie die Eigendynamik sozialer Netzwerke unterschätzt: Dort werden Konflikte nicht mehr „nur“ privat ausgetragen, sondern können einen erweiterten Kreis der Beteiligten erreichen.

Zudem ist vielen die strafrechtliche Relevanz der eigenen Beiträge nicht bewusst. Zwar gibt es kein spezielles Cyber-Mobbing-Gesetz, doch nach derzeitiger Rechtslage können Täter auch zu Haftstrafen verurteilt werden. Tatbestände: Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, Nachstellung und das Recht am eigenen Bild. 

Von Jens Nähler

 

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