Kassels Freibäder Harleshausen und Wilhelmshöhe: Streit zwischen SPD und Grünen

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    • 16.02.13
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Ende der Kooperation?

Kassels Freibäder: Eiszeit bei Rot und Grün

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Kassel. Ist Rot-Grün in Kassel am Ende? Nach dem Vorstoß der SPD in Sachen Freibäder ist die Stimmung in der Kooperation, die in der Stadtverordnetenversammlung die Mehrheit stellt, miserabel. Unterdessen kritisiert der Förderverein Freibad Wilhelmshöhe Kämmerer Barthel.

Freibad Bad Wilhelmshöhe

© Koch

Freibad Bad Wilhelmshöhe

Die Grünen fühlen sich vorgeführt, denn eigentlich sollte eine Arbeitsgruppe beider Parteien bis März Vorschläge zur Zukunft der Bäder erarbeiten. Die SPD-Fraktion hat jedoch vergangene Woche beschlossen, das Gelände des Freibads Wilhelmshöhe zu verkaufen und mit dem Erlös das Freibad Harleshausen zu sanieren –was auch in der eigenen Partei für Ärger sorgt.

Für die Grünen ist der Beschluss ein Schlag ins Gesicht. Sie hatten den Erhalt beider Bäder gefordert und sich dabei auf einen entsprechenden Beschluss der Stadtverordnetenversammlung aus dem Jahr 2008 berufen. Für Fraktionschef Gernot Rönz hat Kämmerer und Bäderdezernent Dr. Jürgen Barthel (SPD) seinen Job nicht richtig gemacht, „denn wenn ihm 2012 auffällt, dass er kein Geld für Sanierungen hat, die 2011 abgeschlossen sein sollten, dann stimmt etwas nicht“.

Das Freibad in Bad Wilhelmshöhe ist den Grünen wichtig, in dem Stadtteil sind sie die stärkste Partei. Man hat jedoch auch den Eindruck, dass Persönliches in den Streit hineinspielt: Kämmerer Barthel macht keinen Hehl daraus, dass er den Grünen wenig zugetan ist. Fraktionschef Rönz möchte den Konflikt mit Barthel jetzt offenbar ausfechten – aus Sicht der Grünen gestaltet er zu oft die Politik, also gibt der SPD vor, was sie zu entscheiden habe. Die Ökopartei fühlte sich kürzlich schon mal von ihrem Kooperationspartner vorgeführt: Der Vorstoß von Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) in Sachen Regionalreform sei nicht abgesprochen gewesen.

„Wir erwarten jetzt ein Signal von der SPD, dass sie zeigt, ob sie die rot-grüne Politik fortsetzen will“, sagt Rönz. Die Sozialdemokraten hingegen werfen den Grünen vor, einen Beschluss verlangt zu haben, wonach beide Bäder saniert werden - und erst dann zu überlegen, woher die Millionen dafür kommen sollen. Aber auch wenn die Stimmung mies und das Vertrauensverhältnis zwischen den Fraktionsspitzen gestört ist: Es ist kaum zu erwarten, dass die Zusammenarbeit beendet wird und Kassel zu einer Politik wechselnder Mehrheiten zurückkehrt.

Denn auf die CDU möchte die SPD nicht angewiesen sein, und den Grünen dürfte die Gestaltungsmöglichkeit im Rathaus inklusive zweier Dezernenten zu wichtig sein, um zurück auf die Oppositionsbank zu gehen. Bei Salzmann, dem Langen Feld und dem Flughafen haben die Partner auch erbittert gestritten - und am Ende doch weiter zusammengearbeitet.

Von Uli Hagemeier

Förderverein: Das geht billiger

Unterschiedliche Angaben zu Kosten für Schwimmbadsanierung - Kritik an Barthel

Der Förderverein Freibad Wilhelmshöhe weist die Vorwürfe von Kämmerer und Bäderdezernent Dr. Jürgen Barthel (SPD) zurück. Der hatte die Vorschläge des Vereinsvorsitzenden Prof. Kuno Hottenrott als unseriös und sachlich nicht haltbar bezeichnet. Zudem habe Hottenrott Inhalte eines vertraulichen Gesprächs weitergegeben.

Der stellvertretende Vereinsvorsitzende Klaus Berkermann hält dagegen, dass die Stadt eine sachliche Auseinandersetzung scheue. Anders könne man die Pressekonferenz des Bäderdezernenten mit dem Vorstand des Bäderbetreibers Städtische Werke nicht erklären. „Wir bleiben dabei, dass die bisherige Planung für beide Bäder Luxusinvestitionen vorsieht“, sagt der Bauingenieur Berkermann. Der Förderverein habe alles, was er für Luxus halte, aus der Kostenkalkulation gestrichen. Dazu zählten der Eingangsbereich mit dem Kassenhäuschen, der noch in Ordnung sei, Bedarfsumkleiden sowie eine deutlich günstigere Lösung für die Beckensanierung.

Vorbild dafür sei ein Freibad in Bergneustadt 50 Kilometer von Köln entfernt, das für 1,7 Millionen Euro saniert worden sei. In Wilhelmshöhe sei der Aufwand größer und liege nach Berechnungen des Vereins bei 2,5 bis 2,7 Millionen Euro. Die Städtischen Werke, die zu 75,1 Prozent der Stadt Kassel gehören, gehen von deutlich höheren Kosten aus. Bei den Sanierungskosten für die Bäder in Harleshausen und Bad Wilhelmshöhe wurden Summen zwischen acht und zehn Millionen Euro genannt.

Nach Angaben des Wilhelmshöher Fördervereins, der 500 Mitglieder hat, war man sich mit der Stadt schon einig, dass das Kasseler Planungsbüro ANP diese Angaben überprüfen solle. Über das Ergebnis dieser Prüfung habe man Vertraulichkeit vereinbart, nicht aber darüber, dass es ein Gespräch gab. Trotz der derzeitigen Turbulenzen stehe der Förderverein Freibad Wilhelmshöhe weiterhin für den Erhalt beider Bäder. Man arbeite weiter an einen Konzept, wie das Bad durch zusätzliche sportliche Angebote attraktiver werden könne. (tos)

Infos und Kontakt zum Förderverein unter www.freibad-wilhelmshoehe.de

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