Klinik-Angestellter klaute Handy von Halit Yozgat

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    • 25.05.12
    • Kassel
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43jähriger Mann plünderte die Leiche in der Pathologie des Klinikums Kassel

Klinik-Angestellter klaute Yozgats Handy - Polizeipräsident weist Fehler zurück

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Kassel. Dem toten Halit Yozgat, der am 6. April 2006 in Kassel von den rechtsextremistischen NSU-Terroristen ermordet worden war, ist vor sechs Jahren in der Pathologie des Kasseler Klinikums das Handy gestohlen worden.

Einen entsprechenen Bericht des Magazins Focus bestätigte die Kasseler Staatsanwaltschaft gegenüber der HNA.

Halit Yozgat (21) hatte noch unmittelbar vor seiner Tötung mit dem Handy telefoniert. Doch das Mobiltelefon fand die Polizei zunächst nicht. Sie ging wohl damals davon aus, dass es die Täter mitgenommen hatten.

Weitere Emittlungen führten dann aber zu einem damals 43 Jahre alten Angestellten des Klinikums Kassel. Der Mann arbeitete in der Pathologie des Krankenhauses als Sektionsassistent. Das bestätigte das Klinikum am Donnerstag.

Bei Vernehmungen der Polizei gestand der Mann schließlich: Er habe das Kühlfach geöffnet, in der sich Halit Yozgat befand. Dann habe er der halb bekleideten Leiche das Telefon aus der Hosentasche gezogen. Sein eigenes Handy sei zu dem Zeitpunkt kaputt gewesen. Später habe er die Sim-Karte des Handys gegen seine eigene ausgetauscht.

Halit Yozgat

Der Klinikum-Angestellte gab schließlich auch zu, seit Jahren Leichen bestohlen zu haben. Er stahl unter anderem Goldringe, Silberketten, Geld und weitere Mobiltelefone, bestätitgte die Kasseler Staatsanwaltschaft. Unter seiner Beute soll sich sogar ein Herzschrittmacher befunden haben.

Der Mann sagte damals aus, er sei Hobby-Angler, und Metallteile hätten sich gut im „Angelbereich“ verwenden lassen.

Fotos: Kasseler Opfer von Neonazi-Mordserie

Das Klinikum Kassel teilte am Donnerstag auf Anfrage mit, dass man sich nach Bekanntwerden der Diebstähle umgehend von dem Mann getrennt habe. Er sei entlassen worden.

Das Amtsgericht Kassel hatte den 43-Jährigen wegen Unterschlagung im Jahr 2007 zu einer Geldstrafe verurteilt.

Aktualisiert um 19.30 Uhr

Die Beauftragte der Bundesregierung für die NSU-Opfer, Barbara John, nannte den Vorgang um Halit Yozgat im "Focus" „skandalös und unfassbar“. Die Polizei hätte das Handy noch am Tatort beschlagnahmen müssen. Dass sie das nicht tat, weise auf eine weitere Ermitttlungspanne hin.

Nordhessens Polizeipräsident Eckhard Sauer weist diesen Vorwurf zurück: An dem Leichnam seien am Tatort von den Ermittlern nur die unbedingt notwendigen Veränderungen vorgenommen worden, um vor der notwendigen Obduktion um keine wichtigen Spuren zu vernichten oder zu verändern. Das sei die gängige Praxis.

Von Frank Thonicke

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