Sontheimer zu verschmutztem OP-Besteck: Zu keiner Zeit Gefahr einer Infektion

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    • 02.02.11
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Keine anderen Klinikstandorte betroffen

Verschmutztes OP-Besteck im Klinikum: Mindestens bis Freitag nur Notoperationen

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Von Tatjana Braun

Kassel. Wegen verschmutzter OP-Bestecke finden im Klinikum Kassel bis auf Weiteres nur Notoperationen statt. „Wir wollen, dass jeder bei uns operierte Patient sicher sein kann, dass wir einwandfreies Instrumentarium verwenden“, sagte Klinik-Geschäftsführer Gerhard M. Sontheimer am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Die Zentralsterilisation wurde am Dienstag kurzfristig geschlossen, damit sei das Klinikum quasi lahmgelegt worden, so der Vorstandsvorsitzende der Gesundheitsholding Nordhessen (GHN), Gerhard M. Sontheimer. Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Kassel hatten die Abteilung geschlossen, "bis es Erklärungen über die Ablagerungen an OP-Besteck gibt".

Sontheimer schloss aus, dass die Ablagerungen durch Bedienfehler der Mitarbeiter entstanden seien, "da ist ein Fehler im Gesamtsystem". Es gebe mehrere Erklärungsansätze, so Sontheimer: Wasser, Dampf und Chemie. Doch derzeit wolle er darüber nicht spekulieren.

GNH-Vorstandschef Gerhard M. Sontheimer

Das verschmutzte OP-Besteck sei zu den Herstellern Aesculap und Karl Storz Endoskopie geschickt worden, damit es genau untersucht werden könne, gab der Vorstandschef bekannt. Parallel dazu prüfe ein Team die Sterilisationsanlage, die eigentlich "sehr gut gewartet sei". Sontheimer betonte, dass es zu keinem Zeitpunkt Patientengefährdungen wie die Gefahr einer Infektion gegeben habe. Das sei auch mit dem Gesundheitsamt Kassel abgestimmt, das die Instrumente zuletzt am 8. Dezember 2010 untersucht hatte.

Das Klinikum will laut Sontheimer übergangsweise mit Einmal- und Leihbestecken arbeiten und "eine zweite Logistikschiene" aufbauen. Ab morgen wird unter anderem auf einen 24-Stunden-Betrieb in der Sterilisation in Bad Arolsen zurückgegriffen. Zudem sei der externe Dienstleister Orgamed beauftragt worden, ab sofort die Reinigung des OP-Bestecks zu übernehmen. Die bisher verwendeten Bestecke sollen nicht mehr verwendet werden.

Das RP soll bis Freitag über die weiteren Maßnahmen seitens des Klinikums informiert werden, nächste Woche solle erneut eine Überprüfung der Sterilisation stattfinden.

Bis Freitag nur Notoperationen

Wohl bis Freitag können im Klinikum nur Not-Operationen durchgeführt werden, so Sontheimer. "Denn wir wollen, dass jeder bei uns operierte Patient sicher sein kann, dass wir einwandfreies Instrumentarium verwenden“, so Sontheimer.

Sontheimer betonte, dass nur das Klinikum betroffen sei und nicht die anderen Häuser wie das Kinderkrankenhaus Park Schönfeld in Kassel und die Kreiskliniken in Hofgeismar und Wolfhagen.

Wie lange diese vakante Situationen bei den OP-Instrumenten bestehe, konnte Sontheimer nicht sagen. "Wir werden unsere Instrumente erst wieder verwenden, wenn vom Hersteller die Entfernung der Ablagerungen und deren Unbedenklichkeit bescheinigt worden ist.“ Das seien etwa 30.000 Einzelinstrumente. Bei den Herstellern liegen aber derzeit auch noch Instrumente aus dem Fuldaer Klinikum. Auch dieses müsse auf Unbedenklichkeit überprüft werden.

Derzeit fallen täglich etwa 65 Operationen aus. Zudem definiere man einen "Notfall" sehr streng. Aber sicher sei auch: "Wer als Notfall-Patient hier behandelt wird, kann mit einwandfreiem Besteck rechnen", so Sontheimer.

Zu den anfallenden Kosten für das 1000-Betten-Haus konnte sich Sontheimer noch nicht äußern.

In Fulda bekannt geworden

Erst Fulda, jetzt das Klinikum Kassel. Und es gibt einen Zusammenhang: Dass Kasseler Operationsinstrumente nicht vorschriftsmäßig gereinigt waren, fiel ausgerechnet in Fulda auf.

In Fulda hatte man sich wegen der eigenen Engpässe an sterilen Instrumenten OP-Bestecke aus Kassel ausgeliehen, die offenbar nicht in Ordnung waren. Die Fuldaer schickten die Instrumente zurück und informierten das Kasseler Regierungspräsidium (RP) als Aufsichtsbehörde.

So gab es am Dienstag kurzfristig eine Begehung durch Fachleute des RP und des Gesundheitsamtes Region Kassel auf dem Möncheberg. Dabei wurden weitere Instrumente, an denen sich Ablagerungen fanden, beanstandet. Die Geschäftsführung entschied sich daraufhin noch am selben Tag, die Zentralsterilisation sowie kleinere Sterilisationseinheiten im Klinikum zunächst außer Betrieb zu nehmen. Soweit bislang bekannt ist, stand die Sterilität der betroffenen Instrumente aber nicht in Frage.

Die Mängel müssen bei der Reinigung der Operationsbestecke aufgetreten sein. Nach der Fehlerursache wird derzeit fieberhaft gesucht. (tat/hei)

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