Spurensuche auf dem alten Friedhof am Adorfer Dansenberg

Bilder aus dem jüdischen Alltag

Geschichtsreise: Erinnerungen an den deutsch-jüdischen Alltag weckte Günter Schmidt-Bollmann bei der Führung einer Besuchergruppe auf dem Judenfriedhof am Dansenberg (Bild). Vorangegangen war die Einweihung eines Denkmals für die in Konzentrationslagern umgekommenen jüdischen Mitbürger im Ortskern von Adorf (HNA berichtete). Foto: Bornemann

Adorf. Die raren Zeugnisse gemeinsamer Jahre zwischen Juden und Christen in Adorf gilt es wach zu halten: Diesen Appell bekräftigte Günter Schmidt-Bollmann während einer Führung über den Jüdischen Friedhof am Adorfer Dansenberg. Im Anschluss an die Einweihung einer Gedenkstätte im Ortskern (HNA berichtete), bemühte sich der gebürtige Adorfer – lange Jahre schon in Bremen zu Hause – vor einer kleinen Besuchergruppe, verschüttete Bilder aus dem jüdischen Alltag dem Vergessen zu entreißen.

Doch nur wenig ist vom Leben der Juden in dem Marktflecken überliefert. Von den 51 noch erkennbaren Grabstätten auf dem Totenacker hinter der Dansenberghalle waren von Schmidt-Bollmann gezielt nur einige wenige zur Erläuterung ausgewählt worden. Interessante ortsbezogene Zusammenhänge aus Familienchroniken der Mosheims wie der Lebachs und Weilers kamen dabei zur Sprache. Mit seiner fachkundigen Übersetzung hebräischer Texte von Grabsteinen des Adorfer Judenfriedhofs hat sich Schmidt-Bollmann in einer Dokumentation bereits früher verdient gemacht. Sie hat ihren Platz heute im Gemeindearchiv im Adorfer Rathaus.

Zur Familie Mosheim, der auch Grete Mosheim – bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten eine führende Darstellerin der deutschen Bühnen – entstammt, erfährt man durch Schmidt-Bollmann: „Sein früher Tod bewahrte Joseph Mosheim, der in Adorf einen Viehhandel betrieb, vor dem Schicksal seiner Frau Jette, geb. Beyfuss aus Laasphe. Beide zogen am im April 1939 nach Frankfurt/M. In Adorf war ihnen das Leben während der Zeit des Unheils zur Hölle gemacht und dem Sohn die Existenz entzogen worden“. Beide – Joseph Mosheims Frau Jette und Sohn Louis – in Adorf als ‚Schmuls Louis’ in Erinnerung – sind im KZ ermordet worden. Niemand hat ihnen einen Grabstein gesetzt.

Am Ende seiner Friedhofsführung legte Günter Schmidt-Bollmann nach altem jüdischem Brauch im Namen aller Besucher einen Stein auf einem der Grabdenkmale ab. (yrb)

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