Tribute-Konzert an Hamburger Band Ougenweide

Mittelalter-Rock mit Drehleier und Laute

Begeisterten das Publikum: von links Hans Hegner, Claudia Heidl und Gerda Weinreich. Fotos: Zecher-Christ

Vöhl. Die Hamburger Band Ougenweide war in den 1970er Jahren Vorreiterin des Mittelalter-Rock. Die Band kombinierte Folkrock mit mittel- und althochdeutschen Texten und diente Künstlern aller Musikrichtungen als Inspirationsquelle.

„Die Musik hat uns damals eine tolle Kraft gegeben“, sagte Dr. Lothar Jahn vom Musiktheater Dingo. Mit „Tribut an Ougenweide“ ließ das Musiktheater am Samstagabend in der ausverkauften Vöhler Synagoge die Erfolgstage der Band aufleben. Ihren besonderen Reiz bekamen die Lieder, weil Lothar Jahn, Dagmar Jahn, Claudia Heidl, Gerda Weinreich, Jan-Marcus Lapp und Peter Will „ausgestöpselt“ spielten. Zum Einsatz kamen zahlreiche mittelalterliche Instrumente, wie Rauschpfeife, Portativ, Drehleier, Cister und Laute.

Das Konzert begann mit dem Frühlings-Gedicht „Ougenweide“ des Lyrikers Neidhardt von Reuenthal, dem die Band ihren Namen entlieh. Mit eindringlicher Stimme trug Dagmar Jahn „Ouwe“ von Walther von der Vogelweide vor, in dem es darum ging, wie schnell das Leben vorbeizieht.

Schmunzeln konnte man, als Gerda Weinreich bei „Kommt, ihr Jungfern, helft mit Klagen“, verschmitzt den Verlust ihrer Jungfernschaft „beklagte“. Gastmusiker Holger Schäfer verzauberte mit der Harfe, als er „Nieman kan mit Gerten“ von Walter von der Vogelweide vortrug, das die Erziehung von Kindern ohne Schläge empfahl.

Stargast war Ougenweide-Sänger Olaf Casalich. Er sang von einer Fabel, bei dem der Fuchs dem Raben durch einen Trick seinen Käse abluchst. Vergnügen bereitete er mit „Wan si dahs“, bei dem ein Ritter vergeblich um das Herz eines Flachs schwingenden Mädchen buhlt. Natürlich durfte auch das experimentell vorgetragene Lied vom grobschlächtigen „Gerhard Atze“ nicht fehlen. Gastmusiker Hans Hegner entführte das Publikum ins düstere 9. Jahrhundert, als er die Austreibung eines Wurmes mit sakralen Gesängen und Gebeten zum „Pferdesegen“ darbot. Es gab einige Lieder aus dem letzten Album Herzsprung (2010), wie „Ich sach eins mals“, „Phol Ende Uuodan“ und das Abschlusslied „Einem Lieben“, zu hören. Das Publikum forderte lautstark zwei Zugaben ein, bevor es die Musiker von der Bühne entließ. Den Abschluss bildete „Dy Minne“ von Mechthild von Magdeburg, das die Macht der Liebe beschrieb.

Von Nadja Zecher-Christ

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