Verein spricht von „Behördenschikanen"

Zu teure Auflagen: Gnadenhof schränkt Tierhaltung ein

+
Auf dem Gnadenhof: Norman Siegel mit dem betagten Schwan Sweety und Nadine Freitag mit Hahn Calimero.

Asel. Der Gnadenhof „Artenreich" stellt zum 30. Juni einen großen Teil seiner Tierhaltung ein. Der Grund seien teure Auflagen. Der Verein spricht von „Behördenschikanen".

Affen, Hunde, Katzen, Kühe, Ziegen, Pferde und Geflügel werden seit sieben Jahren auf dem Hof bis zu ihrem Lebensende versorgt. „Wir haben Behörden, Institutionen und Privatpersonen auf unserem Grund und Boden und auf unsere Kosten für bestimmte Tiere Platz, Nahrung und eine zuverlässige Versorgung geboten“, heißt es vonseiten des Gnadenhofes.

Wir machen die Primatenpflege schon über 15 Jahre für die Behörden.

Fast wöchentlich seien beim Veterinäramt Beschwerden von Touristen und Freizeitreitern eingegangen, weil die Pferde auf den Freiflächen in den Wintermonaten durch Schlamm laufen müssten, sagt Norman Siegel, Betreiber des Hofes. „Es gibt befestigte grüne Flächen, aber es ist auch mal schlammig“, sagt er.

Das Veterinäramt habe die Befestigung der Feuchtflächen angeordnet. „Im Gesetz steht nirgends, dass man Pferde nicht auf feuchtem Boden halten darf“, betont Siegel. Es sei zudem festgestellt worden, dass Nandus und Emus ein Sandbad bräuchten. „Bei der Sachkundeprüfung für Straußenvögel ist mir aber beigebracht worden, dass das keinen Sinn hat, da sie sich lieber in Schlamm wälzen“, erklärt Siegel. Zusammen mit seinem Team habe er Sandbäder und einen Unterstand gebaut, die

aber kaum genutzt würden. Er habe sich gegen Befestigungen für die Ziegen und Pferde entschieden, da diese sechsmal mehr Weidefläche hätten als per Gesetz verlangt. Die Unterstände seien viermal größer, so Siegels Darstellung.

Im Dezember sei alles für gut befunden worden, auch die Affengehege. „An Silvester haben wir aber ein Schreiben bekommen, in dem uns ungeheure Maßnahmen für die Affen bis zum Sommer auferlegt worden sind“, sagt Siegel. Es werde ein Innengehege von 75 Quadratmetern verlangt, weil sich das Mindestgutachten für Säugetiere nach 15 Jahren geändert habe. „Wir machen die Primatenpflege schon über 15 Jahre für Behörden“, sagt er. Diese sei nach altem Gutachten erfolgt. „Wir haben die Gehege doppelt so groß gebaut wie die Gutachten es vorgesehen hatten.“ Dies sei für Tiere, die das Regierungspräsidium Kassel aus nicht artgerechter Haltung beschlagnahmt hatte, eine Verbesserung gewesen.

„Die Tiere sind Leihgaben der Behörden. Wir finanzieren deren Ernährung und Tierarztkosten“, sagt Siegel.

„Uns rechtlich mit offenkundig tierfeindlichen, rein materiell oder aus privatem Eigennutz motivierten Privathaltern, Zoos und Tierparks und etc. gleichzusetzen und uns und viele andere Tierschutzeinrichtungen mit den gleichen Regularien zu belegen, kann von der Öffentlichkeit so nicht nachvollzogen werden...“, schreibt der Tierschutzverein Artenreich auf seiner Internetseite www.erwartetuns.de (nz/red)

Das sagt der Landkreis 

„Der Gnadenhof Vöhl-Asel wurde im letzten Jahr zweimal überprüft“, bestätigte Hartmut Wecker, Sprecher des Landkreises Waldeck-Frankenberg. Im Januar sei die Affenhaltung nur von außen besichtigt worden, eine intensivere Kontrolle habe im Dezember stattgefunden. Dort wurde festgestellt, dass die Affenhaltung nicht den Vorgaben des Säugetiergutachtens entspräche. Daher wurden Auflagen erteilt, die bis zum Sommer 2015 erfüllt sein müssen. Das Säugetiergutachten könne auch für beschlagnahmte Tiere nicht außer Acht gelassen werden. Von der Oberen Naturschutzbehörde Kassel wurde trotz Bedenken des Landkreises ein weiterer Rhesusaffe dem Gnadenhof überlassen. Grund dafür sei, dass es leider zu wenige Auffangstationen für Affen in Hessen gäbe. Aus der Sicht des Landkreises seien die Auflagen verhältnismäßig. (kme)

Das sagt das Regierungspräsidium 

Michael Conrad, Sprecher des Regierungspräsidiums Kassel, bestätigt, dass das RP zwei Papageien, einen Affen und zwei Nandus im Gnadenhof in Asel untergebracht hat. „Für uns wäre es sehr bedauerlich, wenn der Gnadenhof seinen Betrieb einstellt“, sagt Conrad. Das Regierungspräsidium müsse sich dann um eine andere Unterbringung für die Tiere bemühen. Derzeit werden die Tiere mit einem Leihvertrag dem Gnadenhof überlassen. Eine andere Unterbringung würde möglicherweise auch höhere Kosten für Steuerzahler bedeuten, da der Gnadenhof ehrenamtlich arbeite und damit keine Kosten für die Unterbringung anfallen. Aus Sicht des RP habe es bei der Zusammenarbeit bislang keine Probleme gegeben, betont Conrad. Für die Umsetzung entsprechender Gutachten und Vorschriften sei allerdings das Veterinäramt des Landkreises zuständig. (kme)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.