Grüne möchten mit „Mitfahrbänken“ Mobilität auf dem Lande erhöhen

Projekt: In Bünsdorf (Schleswig-Holstein) hat Hannelore Rath sich für eine „Mit-Fahr-Bank“ stark gemacht, Bürgermeister Jens Kühne nimmt neben ihr Platz. In kleinen Orten können Menschen ohne Auto auf den speziell gekennzeichneten Bänken ihr Ziel per Klappschild anzeigen und auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Foto: Carsten Rehder

Lichtenfels. Mobil bleiben auf dem Lande – da sind angesichts steigender Kosten für das Anruf-Sammel-Taxi (AST) und wenig Busverbindungen kreative Ideen gefragt. Die Fraktion der Grünen in Lichtenfels hat eine bei der Sitzung der Stadtverordneten vorgebracht: Sie schlägt vor, dass an den Ortsausgängen besonders gekennzeichnete Mitfahrbänke aufgestellt werden.

Mit Klappschildern können die Wartenden anzeigen, wo es hingehen soll – salopp gesagt ist es eine neue Art des Trampens, doch anstatt nach Paris geht es in die nächste Stadt zum Einkaufen.

Der Magistrat wurde bei zwei Enthaltungen einstimmig beauftragt, die rechtliche Machbarkeit zu prüfen.

„Es haben schon andere Gemeinden den Weg der Mitfahrbänke gewählt, um die Mobilität ihrer Bürgerinnen und Bürger preisgünstig zu erhöhen und die eigenen Kosten zu senken“, erklärte Fraktionsvorsitzende Dorli Rauch. Viele Autofahrer hätten noch Platz im Auto, „und da die Mitfahrer über die normale Autohaftpflicht versichert sind, ist es keine Problem, Menschen, die selbst über kein Auto verfügen, mitzunehmen. Auch wir in Lichtenfels sollten diese Möglichkeit nutzen, um unser Wohnumfeld lebenswerter zu machen“, betonte Rauch.

Dabei sollte die Verwaltung mit den Städten Korbach, Frankenberg, Medebach und Hallenberg Kontakt aufnehmen, damit auch dort Mitfahrbänke aufgestellt würden. Die Kosten dafür könnte die Stadt Lichtenfels übernehmen, für die Bänke in den Orten könnten Vereine oder Ortsbeiräte in den Stadtteilen aufkommen, die sich jeweils für das Aufstellen der Bänke aussprechen.

Die Mitglieder der Ausschüsse hatten positiv auf die Idee reagiert – sie sprachen sich bei einer Enthaltung für eine rechtliche Prüfung durch den Magistrat aus, ehe ein Versuch gestartet werden könne.

Bedenken trugen Mitglieder von FWG- und CDU-Fraktionen bei der Sitzung der Stadtverordneten vor. „Das Konzept ist mir nicht schlüssig. Wir müssen uns erst um das AST kümmern“, sagte Horst Wendt, WGL-Fraktionsvorsitzender. Das AST-Angebot werde ausgenutzt für Fahrten, die Bürger auch mit dem Bus erledigen könnten. „Wir müssen die AST-Eigenbeteiligung der Bürger ändern“.

„Die Frage ist nicht geklärt, wie die Leute dann wieder zurück kommen,“ sagte Helmut Bangert, CDU. „Wir sollten das erstmal nur in Goddelsheim ausprobieren. Wenn es dort kein Erfolg ist, dann wird es nirgends ein Erfolg“, sagte Friedrich Sauer, WGL.

Bislang teilen sich Landkreis und Kommunen das AST- Defizit zu gleichen Teilen. „Der Kreistag wird voraussichtlich ab kommenden Jahr 60 Prozent der AST-Kosten übernehmen“, erklärte Bürgermeister Uwe Steuber. Damit werde die Kommune entlastet, sagte er mit Blick auf die Kritik von Horst Wendt.

„Wir hoffen, dass ein Versuch gestartet wird. Und eine Bank aufzustellen, kann wohl niemals eine falsche Investition sein“, sagte Dorli Rauch.

Ein junger Mann, der die Sitzung als Gast verfolgt hatte, blickte später entspannt auf den Vorschlag der Grünen. „Klasse Idee. Aus einem solchen Angebot können sich ganz neue Kontakte ergeben. Manche Dinge muss man einfach machen, einfach ausprobieren.“

Von Marianne Dämmer

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