Marktplatz: Für Schrauber und Individualisten

Die ist für die russische Taiga gebaut“, wenn Uwe Seitz von seinem Ural650-Gespann berichtet, gerät er schnell in Schwärmen. Dennoch muss er sich nun schweren Herzens von dem Motorrad samt Beiwagen trennen.

Motorräder sind die Leidenschaft von Uwe Seitz aus Vöhl. Seit seinem 18. Lebensjahr ist er begeistert Motorrad gefahren und hat dies sogar mehrere Jahre erfolgreich im Rennsport getan. Gemeinsam mit seinem Partner Peter Alscher fuhr der heute 69-Jährige von 1968 bis 1975 ganz oben mit. Regelmäßig berichteten die Zeitungen über die Erfolge des Motorradgespanns und gaben auch sportliche Besonderheiten preis. So konnten die jungen Korbacher auf dem Nürburgring wertvolle Punkte herausfahren, indem Uwe Seitz das Motorrad einfach während der Fahrt betankte. Den Kanister hatte der „Schmiermaxe“ am Beiwagen befestigt und sparte so die Zeit für den Boxenstopp zum Tanken. „Am Streckenabschnitt der Antoniusbuche gab es eine circa drei Kilometer lange Gerade bis zum Ziel“, erklärt der gelernte Maschinenschlosser, „da konnte man den Tank auch bei 200 km/h auffüllen…“ Auch heute noch ist er mit seinem ehemaligen Rennpartner Peter Alscher (74) befreundet, der zunächst solo Rennen fuhr. Gerne hätten die beiden weitere Rennen gefahren, aber sie wurden zu gut. Dank ihrer Erfolge hätten sie eine internationale Lizenz benötigt, was zu kostspielig geworden wäre.

Ruhe bei der Fahrt

Es blieb die private Freude am Motorradfahren. „Ich empfehle jedem Ehemann ein Motorradgespann“, sagt Uwe Seitz schmunzelnd, „antreten, Gang rein und schon ist Ruhe!“ Ehefrau Renate Seitz stimmt dem sogar zu. Einmal hätte ihr Mann ein Headset gekauft, damit man sich auch während der Fahrt gut verständigen könne, aber das habe ihr nicht gefallen. Sie genoss die Ruhe auf den gemeinsamen Ausfahrten, die das Ehepaar ins Umland machte. Der Beiwagen war dabei überaus gemütlich und dank einer Plane für den Beifahrer konnte man auch im Winter fahren.

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Marktplatz: Russisches Motorradgespann sucht deutsche Garage

Die Ural650 stammt aus dem Baujahr 2000, ist 8668 Kilometer gelaufen und hat 28 PS. Sogar über einen Rückwärtsgang verfügt die Ural. „Es ist ein Motorrad für Bastler“, sagt Uwe Seitz, der es noch im vergangenen Jahr komplett gewartet hat, bevor ein Schlaganfall ihn zwang, dieses Hobby aufzugeben. „Man kann damit schön kleine Touren machen, gemütlich über die Landstraße juckeln und auch jeden Berg hochkraxeln.“ Zusammen mit dem Gespann, das immer einen Platz in der Garage sicher hatte, verkauft er noch einiges an Zubehör. Dazu gehören unter anderem ein Windshield, Taschen, Ersatzteile, ein komplettes Hinterrad mit Stollenreifen, Knieschilde und Handschuhe. „Alles fertig für die Taiga.“

Nur den Helm, den Sohn Karsten selbst per Airbrushtechnik bemalt hat, will er als Andenken behalten. So wie seinen Rennanzug aus seinen aktiven Zeiten. „Der passt auch noch“, betont Uwe Seitz, „allerdings ist nach einem Bein Schluss …“

Das Motorradgespann ist nach wie vor angemeldet und kann gerne Probe gefahren werden. „Sie werden merken, man winkt Ihnen immer zu“, verspricht Renate Seitz, „es ist ein seltenes und vor allem sehr schönes Fahren mit einem Gespann.“

Von Gitta Hoffmann

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