Erinnerung an Lane Mannheimer: Sie wurde als Vierjährige von den Nazis ermordet

Ein Stolperstein fehlt noch

Opfer der Gewaltherrschaft: Margarethe Mannheimer aus Bad Wildungen und ihre vierjährige Tochter Lane wurden von den Nazis in Riga erschossen. Foto:  nh

Bad Wildungen. Sie liegen vor Wohn- und Geschäftshäusern, meist in der Bad Wildunger Altstadt und werden auch von vielen Gästen sofort erkannt: 75 Stolpersteine erinnern an die ehemaligen jüdischen Einwohner, die von den Nazis deportiert und ermordet wurden. Neue Recherchen ergaben, dass ein Stein fehlt: Er soll für Lane (Laura) Mannheimer in der Lindenstraße verlegt werden.

„Mit der kleinen Lane verbindet sich ein fürchterliches Schicksal. Wir wussten bislang nichts von ihrer Existenz. Es wird höchste Zeit, daran zu gedenken“, sagt Johannes Grötecke, der die Geschichte der jüdischen Gemeinde erforscht.

Im Ghetto Riga

Der Besuch von Richard Oppenheimer aus den USA war Anlass für neue Recherchen. Er folgte im Sommer vergangenen Jahres den Spuren seiner Vorfahren, der Familie Mannheimer aus der Bad Wildunger Lindenstraße. Seine Mutter Erika Mannheimer wurde zusammen mit ihren Eltern Isidor und Lina Mannheimer sowie ihren Geschwistern Herbert und Margarethe ins Ghetto Riga deportiert und zum Teil in weitere KZs deportiert.

Nur Erika und ihre Mutter überlebten den Holocaust und wanderten nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA aus. Sie erzählten bis zu ihrem Tod kaum über ihre schlimme Leidenszeit und nichts darüber, dass Margarethe eine Tochter namens Lane hatte.

Von Margarethe Mannheimer, geboren 1921 in Bad Wildungen, war bislang nur bekannt, dass sie zur Ausbildung in das Kaufhaus der Brüder Wallach in Schwalmstadt-Treysa ging und als Beruf Hausangestellte angab. Neue Aktenfunde belegen, dass die unverheiratete junge Frau 1938 im Heim des Jüdischen Frauenbundes in Neu-Isenburg gelebt hat und dort im Alter von 17 Jahren ein Kind zur Welt brachte. Zweieinhalb Monate betreute sie ihre Tochter Lane, bevor sie wieder nach Bad Wildungen zurückkehrte. Das Heim wurde im Zuge der allgemeinen deutschen Frauenbewegung gegründet und betreute unverheiratete Schwangere und verarmte sowie gefährdete Frauen.

1941 wurde Margarethe Mannheimer von der Gestapo zur Zwangsarbeit nach Berlin gebracht. Von dort wurde sie, zusammen mit ihrer Tochter, die inzwischen in einer Berliner Waisenanstalt lebte, im Oktober 1942 nach Riga deportiert. Dort wurde sie direkt an bereits ausgehobenen Gruben für die Getöteten ermordet. Margarethe starb im Alter von 21 Jahren, ihre Tochter wurde nur vier Jahre alt.

Kölner Künstler

Fünf Stolpersteine verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig bereits in der Lindenstraße 12, darunter einen für Margarethe Mannheimer. „Es ist überfällig, dass Mutter und Kind durch einen sechsten Stolperstein symbolisch zusammengeführt werden“, ist Johannes Grötecke überzeugt. (nh/ukl)

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