Urteil zur Medikament-Preisbindung: Apotheker plagt Angst um ihre Zukunft

Waldeck-Frankenberg. Die Apotheker im Kreis sind aufgeschreckt durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes: Er hat die Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel verworfen.

Falle sie, „ist die wohnortnahe Versorgung mit Medikamenten dahin“, warnt der Adorfer Apotheker Dr. Ulrich Seidel. Die vom Bundestag beschlossenen Einheitspreise erschwerten Versandhändlern in den übrigen 27 Ländern der Europäischen Union den Zugang zum deutschen Markt, deshalb solle die Preisbindung für sie nicht gelten, finden die Luxemburger Richter. Dann könnten Anbieter wie die niederländische Internet-Apotheke „Doc Morris“ Kunden günstiger beliefern als die niedergelassenen Apotheker. Das Urteil löst bei ihnen Zukunftsängste aus. Sie seien „entsetzt“, schreibt etwa die hessische Landesapothekerkammer. Es könne nicht sein, „dass ungezügelte Marktkräfte über den Verbraucherschutz triumphieren“.

Der Bundestag hatte die Preisbindung eingeführt, damit Kranke nicht noch nach der günstigsten Apotheker suchen müssen. Außerdem sollte sie einen ruinösen Wettbewerb unterbinden und ein flächendeckendes Netz an Apotheken gewährleisten. Auch Dr. Seidel befürchtet, durch das Urteil drohe gerade kleinen Apotheken auf dem Land das Aus – mit Folgen für die Gesundheitsvorsorge. Denn viele Patienten lesen nicht die Beipackzettel, andere können mit den Angaben nur wenig anfangen. Um so wichtiger ist für sie der Rat der kundigen Apotheker, die zudem das Wechselspiel von Wirkstoffen in verschiedenen Arzneien kennen.

Die Apotheker haben die Befürchtung, die Online-Händler pickten sich die Rosinen aus dem Markt, und für viele Niedergelassene reichten die Umsätze nicht mehr zum Überleben. Gesundheitsminister Hermann Gröhe unterstützt ihre Forderung, den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln künftig zu verbieten.

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Von Dr. Karl Schilling

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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