Marktplatz: Zum Wegschmeißen einfach zu schade

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Begeistert: Lina-Theresa und Vincent-Silas hören fasziniert zu, als Friedrich Hofmann die Funktionsweise der Dreschmaschine erläutert.

Als diese Dreschmaschine 1940 gebaut wurde, war sie hochmodern und hat den Bauern viel Arbeit abgenommen. Heute ist sie jedoch ein Relikt aus vergangener Zeit, das ein trostloses Dasein in einer Scheune fristet. Besitzer Friedrich Hofmann hofft jedoch auf einen Interessenten.

„Seit 20 Jahren steht die Dreschmaschine bei mir in der Scheune“ berichtet Friedrich Hofmann aus Waldeck-Netze, „ich habe sie in Korbach Meineringhausen gefunden und sie vor dem Verschrotten gerettet. Denn zum Wegschmeißen war sie mir schon damals viel zu schade.“

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Marktplatz: Friedrich Hofmann sucht für alte Dreschmaschine ein neues Zuhause 

Bei dem alten Schätzchen handelt es sich um eine Dechentreiter JD 56 mit norddeutschem Einleger, die in Bäumenheim in Bayern gefertigt wurde. Bei diesem Längsdrescher mussten die Halme mit Ähren von einer Person gleichmäßig von oben längs in die Trommel gelegt werden. Durch die Drehung der Trommel mit 1400 U/min wurde das Korn durch den so genannten Korb ausgedroschen. Neben den Graepelsieben sorgten dann ein Schwingschüttler mit zwei Aufwerfern und ein Spreugebläse dafür, dass die Spreu vom Weizen getrennt wurde.

Vorliebe für alte Maschinen

Angetrieben wurde die Dreschmaschine durch einen Transmissionsriemen, der mit einem Schlepper, einem Elektromotor oder einer Dampfmaschine verbunden war. „Bis vor drei Monaten hat die Dreschmaschine auch bei mir nur unbenutzt in einer Ecke gestanden“, erklärt der gelernte Landmaschinenmechaniker, „dann habe ich sie bei der 800-Jahr-Feier von Netze am historischen Dreschplatz ausgestellt. Dabei wurde eine Kurbel am Antrieb befestigt und wer wollte, durfte die Maschine damit in Bewegung versetzen und sie ein wenig „arbeiten“ lassen.“ Viele Menschen interessierten sich für die alte Landmaschine und deren Arbeitsweise. „Damit habe ich früher noch gearbeitet“, bekam Hofmann sogar zu hören. Er erklärt, dass die 800 – 1000 Kilogramm schwere Maschine früher einen Tag vor dem eigentlichen Dreschen von einem Maschinisten ausgerichtet werden musste, damit sie vernünftig arbeiten konnte. Dann waren insgesamt circa sechs Personen für den laufenden Betrieb notwendig.

Nach dieser Veranstaltung tat es Friedrich Hofmann leid, die Dreschmaschine wieder zu einem Schattendasein zu verdammen. „Ich hoffe, dass sie einen Liebhaber findet, der sich darum kümmert. Vielleicht ein Verein, der mit der Dreschmaschine im Sommer vorführt, wie man früher Korn gedroschen hat. Auch ein Museum könnte ich mir vorstellen.“

Sohn Vincent-Silas trennt sich nur ungern von der alten Maschine mit den Maßen 3,80 x 2,40 x 2,50 Metern. Er hat die Vorliebe seines Vaters für alte Maschinen geerbt. Doch schließlich hat auch er ein Einsehen. Und immerhin finden sich in der Scheune in Selbach noch andere schöne alte Geräte, wie zum Beispiel ein Trecker, ein Kübelwagen, Windfegen, Kartoffelroder oder ein Strohhäcksler.

Von Gitta Hoffmann

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