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Formaldehyd-Belastung: Besucher befürchten endgültige Schließung

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Formaldehydbelastet: Das Gebäude mit den Jugendräumen in Rothwesten. Seine Zukunft ist angesichts hoher Sanierungskosten noch ungewiss. Fotos: Sommerlade
Formaldehydbelastet: Das Gebäude mit den Jugendräumen in Rothwesten. Seine Zukunft ist angesichts hoher Sanierungskosten noch ungewiss. Fotos: Sommerlade

Fuldatal. Für Martina Fricke, Alina Hobein, Larissa Himmelmann und Michael Siewert ist das wöchentliche Tischfußballspiel zum lieb gewonnenen Ritual geworden. Regelmäßig treffen sich die vier Freunde dazu im Jugendraum Rothwesten.

Doch in den letzten Wochen kam beim Kickern nicht mehr allzu viel Freude auf. „Richtig unbeschwert sind wir in diesen Räumen einfach nicht mehr, weil wir befürchten, dass unsere Räume geschlossen werden und wir an einem anderen Ort untergebracht werden“, sagt Michael Siewert.

Korrektur

In einer früheren Version des Artikels war von Asbest-Belastung die Rede. Es handelt sich jedoch um eine Belastung durch Formaldehyd. Wir bedauern den Irrturm.

Der 23-Jährige ist einer von rund 30 regelmäßigen Besuchern des Rothwestener Jugendzentrums. Seit bekannt wurde, dass neben weiteren öffentlichen Gebäuden auch die Jugendräume schadstoffbelastet sind, haben die Jugendlichen Sorge, dass die Räume nicht saniert, sondern aus Kostengründen einfach geschlossen werden. „Diese Räume sind uns mittlerweile heilig“, betont Siewert. Aus diesem Grund wollen die Jugendlichen alles dafür tun, um den Erhalt der Räume zu sichern. „Wir würden auf jeden Fall bei der Sanierung helfen“, so der engagierte junge Mann.

Dass sie dazu in der Lage sind, haben die Jugendlichen übrigens schon einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt. 2008 wurden sowohl die Innenräume als auch die Fassade von den Jugendraumnutzern gestrichen. „Und auch jetzt machen wir uns für unser Domizil stark.“ Dazu gehörte auch der Besuch der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung. „Wir wollten damit Flagge zeigen.“

„Wir alle hier sind wie eine kleine Familie.“

Larissa Himmelmann

Dass die Jugendräume tatsächlich geschlossen werden, ist übrigens nicht aus der Luft gegriffen. „Der Schadstoffgehalt ist mit 135 Milligramm pro Kubikmeter knapp über dem Normwert. Daher besteht Handlungsbedarf. Ob das Gebäude saniert oder für immer geschlossen wird, steht noch nicht fest“, bestätigt Armin Reiting. Der Leiter des Bauamts der Gemeinde Fuldatal weist darauf hin, dass bis zum Entscheid drei Luftreinigungsgeräte im betroffenen Gebäude für saubere Raumluft sorgen. Bei den Überlegungen zur weiteren Vorgehensweise spielen seitens der Gemeinde die Kosten für die Sanierung eine erhebliche Rolle. Die reinen Sanierungskosten belaufen sich auf rund 35.000 Euro, der Wiederaufbau würde mit weiteren 45.000 Euro zu Buche schlagen. Falls es tatsächlich zur Sanierung kommt, werde dies allerdings mit zwei weiteren Maßnahmen, dem Jugendraum Wilhelmshausen und dem Rathaus, gebündelt und frühestens im Frühjahr 2013 realisiert werden.

Alternativen geprüft

„Geprüft werden derzeit auch andere Unterbringungsmöglichkeiten wie in der Schule oder in kirchlichen Räumen“, so Reiting. Für den Übergang würden die Jugendlichen um Siewert diese Maßnahme akzeptieren. Als dauerhafte Lösung wünschen sie sich allerdings etwas anderes: „Wir alle sind hier wie eine kleine Familie. Wir möchten in unseren lieb gewonnenen Räumen bleiben“, sagt Larissa Himmelmann.

Von Martina Sommerlade

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