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Kreistag Kassel: AfD jetzt nur noch zu acht, Abgeordneter verlässt Partei

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Von: Peter Ketteritzsch

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Verlässt die AfD und wird fraktionsloser Abgeordneter: Oliver König aus Baunatal. Foto: nh
Verlässt die AfD und wird fraktionsloser Abgeordneter: Oliver König aus Baunatal. Foto: nh

Kreis Kassel/Baunatal. Er landete gleich hinter dem erst 19 Jahre alten Parteichef Florian Kohlweg: Bei der Kreistagswahl am 6. März erhielt Oliver König aus Baunatal die zweitmeisten Stimmen unter den Bewerbern der Alternative für Deutschland (AfD) und sicherte sich souverän einen Sitz im neuen Parlament.

Doch nur zwei Wochen nach dem Erfolg der Rechtspartei sorgt der Immobilienfachwirt, der sich als junger Mann bei der FDP und den Jungen Liberalen engagierte, dafür, dass noch vor der ersten Sitzung des Kreistags ein Schatten auf den Triumph der Polit-Neulinge (elf Prozent) fällt.

Aus Protest gegen die Positionen des thüringischen AfD-

Wegen ihm geht Oliver König: Die extremen Positionen des thüringischen AfD-Fraktionschefs Björn Höcke, hier bei einer Kundgebung in Erfurt, sind dem Baunataler ein Dorn im Auge. Der Parteispitze wirft er vor, sich nicht entschieden von den „teilweise rassistischen Positionen“ zu distanzieren. Archivfoto: dpa
Wegen ihm geht Oliver König: Die extremen Positionen des thüringischen AfD-Fraktionschefs Björn Höcke, hier bei einer Kundgebung in Erfurt, sind dem Baunataler ein Dorn im Auge. Der Parteispitze wirft er vor, sich nicht entschieden von den „teilweise rassistischen Positionen“ zu distanzieren. Archivfoto: dpa

Fraktionschefs Björn Höcke, die er als „teilweise rassistisch“ bezeichnet, verlässt König die Partei. „In Verbindung mit der Semantik vieler Wahlkampfreden außerhalb des Kreisverbands, gerade auch in den vergangenen Landtagswahlkämpfen, ist dies für mich der Grund, einer AfD-Kreistagsfraktion nicht mehr beizutreten“, sagte der Kommunalpolitiker der HNA. Am Freitag habe er seinen Austritt aus der AfD erklärt und seine Ämter als Sprecher des Ortsverbands Baunatal, als Mitglied des AfD-Kreisvorstands und als kommissarischer stellvertretender Kreissprecher niedergelegt. Für die AfD-Fraktion bedeutet der Rücktritt Königs eine Schwächung. Der Grund: Sie reduziert sich durch seinen Abgang von neun auf acht Mitglieder.

Denn einen Nachrücker für den Baunataler wird es nicht geben. König verzichtet nämlich nicht auf sein Mandat als Kreistagsabgeordneter. „Ich werde partei- und fraktionslos in den Kreistag einziehen“, kündigte der 37-Jährige am Wochenende an.

Nach Auffassung Königs hat es die AfD-Spitze auf Bundesebene versäumt, sich klar von den extremen Positionen Höckes abzugrenzen. Mit derartigen Positionen, „die ich für kein politisches Spektrum als akzeptabel erachte“, wolle er nicht in Verbindung gebracht werden, sagte der neue Kreistagsabgeordnete.

Als Fraktionsloser will sich König unter anderem um die Themen Bildung und Schule, Familie und Kinder sowie direkte Demokratie und Bürgerbeteiligung kümmern.

Das sagt der AfD-Kreisvorsitzende

Einige Mitglieder des Kreisvorstands seien nach der Ankündigung Königs, der Fraktion nicht beitreten zu wollen, regelrecht geschockt gewesen, sagte AfD-Chef Florian Kohlweg auf HNA-Anfrage. Dass der Baunataler sein Mandat annehmen und dem neuen Kreistag als fraktionsloser Abgeordneter angehören will, stößt bei der AfD-Spitze auf massive Kritik. „Das ist ein Mandat der AfD“, stellte Kohlweg klar. Nach seiner Auffassung hätte König den Sitz nicht annehmen dürfen. Der AfD-Vorsitzende begrüßt allerdings, dass sich der Baunataler bereit erklärt habe, die angefallenen Wahlkampfkosten anteilig zu erstatten. Die Kritik Königs an der seiner Auffassung nach halbherzigen Distanzierung der AfD-Bundesspitze von Höcke teilt Kohlweg nicht. Höcke sei sehr deutlich in die Schranken gewiesen worden, sagte der 19-Jährige, der inzwischen eine Lehre als Industriekaufmann begonnen hat. Er kündigte an, bei der konstituierenden Sitzung der AfD-Fraktion als Vorsitzender zu kandidieren.

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