Stiftskirche Kaufungen oder Bamberger Dom: Wo ruht Kaiserin Kunigunde wirklich?

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    • 06.04.13
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Stiftskirche Kaufungen oder Bamberger Dom

Kaufungen oder Bamberg: Wo ruht Kaiserin Kunigunde wirklich?

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Kaufungen. Für die Katholiken in Bamberg gibt es keinen Zweifel: Kaiserin Kunigunde, die zuletzt als einfache Nonne im Kloster Kaufungen lebte, ruht an der Seite ihres Mannes Kaiser Heinrich II. im Dom der oberfränkischen Stadt. Doch Wissenschaftler zweifeln daran.

© Archiv/HNA

Sanierung vor über 40 Jahren: Das Foto, erschienen im Januar 1970 in der Hessischen Allgemeinen, zeigt die Stiftskirche, nachdem der alte Fußboden herausgerissen und große Mengen darunter liegenden Schutts beseitigt wurden. Dabei sollen Bauarbeiter im Bereich der Kanzel auf einen Hohlraum gestoßen sein. Angeblich wurde dieser wenig später mit Beton verfüllt.

Sollte in der Stiftskirche Kaufungen nach dem Grab von Kaiserin Kunigunde gesucht werden?

Das Voting ist beendet. Es wurde wie folgt abgestimmt:

(71.8)%Man sollte die Gelegenheit nutzen und im Zuge der Kirchensanierung unbedingt nach dem Grab suchen.

(14.2)%Es ist überflüssig, nach dem Grab zu suchen.

(14.0)%Mir ist egal, ob nach dem Grab gesucht wird oder nicht.

„Sie starb am 3. März 1033 und wurde ebenfalls in Bamberg bestattet“, heißt es in der offiziellen Darstellung des Bistums Bamberg.

Das als fromm geltende Herrscherpaar - Heinrich wurde 1146, Kunigunde im Jahr 1200 heiliggesprochen - wird bis heute tief verehrt. Im Zweiten Weltkrieg, davon sind viele Bamberger bis heute überzeugt, schickte Kunigunde dichten Nebel, der die Stadt vor Fliegerangriffen der Alliierten verschont habe.

Beim Kunigundentag, der alljährlich im September gefeiert wird, huldigen Christen beider Konfessionen auch in Kaufungen der Heiligen. Möglicherweise sind sie der frommen Frau in diesem Augenblick näher, als sie glauben.

Denn namhafteWissenschaftler zweifeln seit Jahren daran, dass Kunigundes Leichnam nach ihrem Tod im Kloster Kaufungen tatsächlich nach Bamberg überführt wurde. „Es gibt keine Nachricht, die die Überführung belegt“, sagte Prof. Dr. Bernd Schneidmüller, Experte für mittelalterliche Geschichte an der Universität Heidelberg, im Gespräch mit der HNA. Und: „Die Bamberger Quellen des 11. Jahrhunderts kennen keine Bamberger Kunigunde.“

Erst knapp 100 Jahre nach ihrem Tod hätten die Bamberger das Kunigundengrab in ihrem Dom beansprucht. Wer aber, fragt Schneidmüller, hätte eine so lange Zeit nach ihrem Ableben die sterblichen Überreste nach Bamberg überführen sollen?“

Das Fazit des Professors: „Der Verbleib von Kunigundes Gebeinen ist ein Mysterium.“

Heißt dies, dass Kunigunde womöglich noch heute in der Stiftskirche ruht? Schneidmüller hält es jedenfalls für lohnenswert, nach Belegenfür eine Grablege in der beinahe 1000 Jahre alten Kirche zu suchen. Er denkt dabei nicht an schriftliche Quellen. „Da wird man ziemlich sicher nichts finden.“ Der Mittelalter-Experte rät vielmehr dazu, im Zuge der anstehenden Sanierung des Kircheninneren nach einer möglichen Grabstätte zu suchen.

Er empfiehlt eine „gute bauhistorische Sondierung“, sprich archäologische Grabungen. Wie berichtet, soll in den Jahren 2015/2016 im Zuge der Heizungssanierung der Fußboden der Stiftskirche geöffnet werden. Sandsteinplatten sollen die Fliesen ersetzen.

Immer wieder Gerüchte

Gerüchte, dass die heilige Kunigunde nicht in Bamberg, sondern in Kaufungen ruht, gab es immer wieder. Sie kamen auch bei der letzten Sanierung des Kircheninneren Anfang der 1970er-Jahre auf.

Der im März 2012 verstorbene Kaufunger Lokalhistoriker Winfried Wroz berichtete darüber, das Bauarbeiter seinerzeit unweit der Kanzel auf einen Hohlraum gestoßen seien. Dieser sei auf Anweisung von höherer Stelle allerdings schnell mit Beton verfüllt worden.

Auch Dekanin Carmen Jelinek, Vorsitzende des Fördervereins Stiftskirche, hat davon gehört. Sie hält das Thema für „historisch interessant“. Viel Hoffnung, auf etwas Bedeutsames zu stoßen, hat sie angesichts der eher rustikalen Art und Weise der zurückliegenden Sanierung („Bagger und viel Beton“) allerdings nicht.

Hintergrund: Kunigunde - Kaiserin, Nonne, Heilige

Kunigunde wurde um 980 geboren - entweder in Luxemburg oder auf der Burg Gleiberg bei Gießen. Um 995 heiratete sie Herzog Heinrich IV. von Bayern, den späteren Kaiser Heinrich II. Die Ehe blieb kinderlos. 1014 wurde Kunigunde, die als Hochzeitsgeschenk das Bistum Bamberg erhielt, an der Seite ihres Gemahls in Rom zur Kaiserin gekrönt.

Nach dem Tod des Kaisers 1024 in der Pfalz Grone bei Göttingen führte sie für kurze Zeit die Regierungsgeschäfte des Heiligen Römischen Reiches. Am ersten Todestag ihres Gemahls trat Kunigunde als einfache Nonne in das von ihr gegründete Kloster Kaufungen ein. Dort soll sie am 3. März 1033 gestorben sein.

Im Jahr 1200 wurde Kunigunde heiliggesprochen. Um ihr Leben ranken sich zahlreiche Legenden. Anfang des 16. Jahrhunderts schuf der Bildhauer Tilman Riemenschneider im Bamberger Dom ein Grabdenkmal für das Kaiserpaar.

Das sagt der Bezirksarchäologe

Laut Dr. Klaus Sippel, Bezirksarchäologe beim Landesamt für Denkmalpflege, gab es zahlreiche Bestattungen hochgestellter Persönlichkeiten in der Stiftskirche. Dokumentiert seien diese jedoch nicht.

Ob die Sanierung des Fußbodens archäologisch begleitet wird, hängt nach Auskunft Sippels von der Art der Arbeiten ab. Werde der Boden tiefer ausgeschachtet als Anfang der 1970er-Jahre, würden die Archäologen eingebunden. Grabungen auf Initiative des Landesamtes werde es allerdings nicht geben, so Sippel.

Er verweist auf die Kosten, die er mit rund 100.000 Euro beziffert. Die Annahme, Kunigunde liege möglicherweise noch in Kaufungen, habe allerdings etwas für sich, so

Von Peter Ketteritzsch

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