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Jubiläum der Söhrebahn: Züge brachten den Aufschwung

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Das Ende: Am 30. September 1966 fuhr die Söhrebahn zum letzten Mal. Unser Foto entstand am Bahnhof Bettenhausen, dort spielte zum Abschied der Spielmannszug Wellerode. Foto: Geschichtskreis Söhrewald,nh/Repro: Rolwes

Söhrewald. Es war ein historischer Tag für Wellerode: Am 21. August 1912 fuhr zum ersten Mal die neu gebaute Söhrebahn – die Strecke der Kleinbahn führte vom Kasseler Stadtteil Bettenhausen über die Gemeinden Ochshausen und Vollmarshausen nach Wellerode.

Das Jubiläum der Söhrebahn wird am kommenden Wochenende, 24. bis 26. August, in Wellerode gefeiert. Vor 100 Jahren begann für die Gemeinden eine neue Zeit. Die Menschen konnten mit dem Dampfzug besser ihre Arbeitsstellen in Kassel erreichen, für die Schüler rückten die Kasseler Gymnasien in erreichbare Nähe.

Ausschlaggebender für die neue Linie war aber der Güterverkehr. Denn die in der Söhre abgebaute Braunkohle, das in Steinbrüchen gewonnene Steingut, das Holz aus den großen Wäldern und Ernteüberschüsse konnten nun in großen Mengen nach Kassel transportiert werden.

Der Bergbau war schon Anfang des 19. Jahrhunderts der wichtigste

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Alte Fahrkarte: Dieser Fahrschein stammt vom September 1967. Weil man noch viele vorgedruckte Fahrkarten hatte, durften sie auch im Bus verwendet werden, als es die Söhrebahn bereits nicht mehr gab.

Industriezweig in der Söhre und Motor eines regionalen Wirtschaftswunders, von dem damals auch viele Zuliefer- und Nebenbetriebe profitierten. Bereits 1842 hatte es Pläne zum Bau einer Eisenbahn von Kassel nach Rotenburg gegeben. Das Streckenmodell führte von Kassel über Ochshausen, Vollmarshausen, Wellerode, einen Tunnel nach Wattenbach und weiter über Eiterhagen und Oberempfershausen nach Körle. Die Trasse wies starke Steigungen auf, die Pläne sahen einen 1800 Meter langen Tunnel vor. Verwirklicht wurde die Strecke nicht. Stattdessen entschied man sich für den Bau der 10,6 Kilometer langen Söhrebahn zwischen Bettenhausen und Wellerode-Wald.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit dem Basaltabbau durch den Vollmarshäuser Pflastermeister und Bauunternehmer Heinrich Heckmann begonnen. Mit zehn Gesellen gewann er im Steinbruch „Im Nest“ an der Stellbergstraße Pflastersteine. Sie wurden im Winter geschlagen und fanden im Sommer beim Straßenbau in Kassel Verwendung.

Historische Aufnahmen von der Söhrebahn

Wie im Kohlebergbau war die Ausweitung des Geschäfts durch logistische Probleme begrenzt. Mit dem Bau der Söhrebahn ab 1910 wurden diese Probleme mit einem Schlag gelöst. Das Wattenbacher Kohlewerk schloss drei Seilbahnen an den neu errichteten Verladebunker an. Die Blütezeit der Söhrebahn lag in den Jahren 1927 bis 1930, als das Wattenbacher Kohlewerk und die Steinbrüche täglich bis zu 1000 Tonnen Frachtgut verluden. Nach Stilllegung der Steinbrüche 1940 sank der tägliche Umschlag auf 200 Tonnen Braunkohle.

Als Anfang der 1960er-Jahre der Ölboom begann und die Hauptabnehmer der Industriekohle auf den günstigeren Energieträger umstiegen, war das Ende der Kohleindustrie und damit auch der Söhrebahn abzusehen. Am 30. September 1966 fuhr die Söhrebahn zum letzten Mal. 1970 wurden die Gleise abgebaut, heute dient die Trasse teilweise als Radweg.

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