Anstoß für 13 neue Stolpersteine

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Sie möchten, dass die Stolperstein-Aktion fortgesetzt wird: (von links) Dr. Dieter Vaupel, Dr. Karsten Klütsch, Holger Entzeroth, Marion Regenbogen und Hanna Wetzel vor dem Spangenberger Stadtcafé. Auch hier sind Stolpersteine eingelassen.

Spangenberg. Für Dr. Dieter Vaupel, den Hauptinitiator der Aktion Stolpersteine in Spangenberg, und seine Mitstreiter ist die Zeit gekommen: Nach vierjähriger Pause will die Initiative auch die 13 Stolpersteine in der Stadt verlegen lassen, für die es damals keine Zustimmung gab.

In einem Schreiben an alle im Stadtparlament vertretenen Fraktionen hat sie nun ein klares Bekenntnis der Kommunalpolitiker gefordert.

Bereits 2007 hatte der Kölner Künstler Gunter Demnig neun dieser Steine vor Häusern verlegt, in denen jüdische Spangenberger Bürger gelebt hatten, die Opfer des Nationalsozialismus geworden waren. In einer weiteren Aktion 2008 folgten noch sieben Steine. Doch diese zweite Aktion gestaltete sich noch schwieriger als die erste.

Grund ist ein Stadtverordnetenbeschluss von 2006, dem eine lange Diskussion in den politischen Gremien vorausgegangen war. Damals sprach sich das Stadtparlament zwar für die Verlegung der Steine aus, machte aber zur Bedingung, dass die Hausbesitzer ihre Zustimmung zur Verlegung geben müssen - und das, obwohl ein Bürgersteig öffentlich Fläche ist.

Hausbesitzer lehnten ab

An genau dieser Einschränkung scheiterte die Verlegung der restlichen 13 Stolpersteine - die Hausbesitzer lehnten das Ansinnen ab. Schon 2008 waren die Zustimmungen nur zäh getröpfelt. Angst vor Stigmatisierung der jetzigen Hauseigentümer und vor Vandalismus spielten damals eine große Rolle.

Nichts von dem ist seither eingetreten. Im Gegenteil: Die Resonanz auf die Stolpersteine sei sehr positiv, hat zum Beispiel Hanna Wetzel erfahren. Sie ist Pächterin des Stadtcafés, vor dem drei Stolpersteine liegen. Gäste sprechen sie darauf an und wollen mehr über die Aktion und die ehemaligen Bewohner des Hauses wissen.

 Auch vor dem Haus von Holger Entzeroth an der Rathausstraße liegen Stolpersteine. Er hatte der Aktion 2007 zugestimmt, „weil ich wusste, dass sich die Stadt in der NS-Zeit nicht mit Ruhm bekleckert hatte.“ In Spangenberg wurden die jüdischen Einwohner schon sehr früh verfolgt. Über seine Entscheidung von damals ist Entzeroth heute noch froh. „Es wäre beklemmend für mich, wenn ich nicht zugestimmt hätte.“

Sein Sohn, so erzählt er, fegt beim Straßekehren immer sorgfältig um die Steine herum und achtete darauf, nicht draufzutreten. Und seine Tochter habe gesagt, wenn sie die Steine sehe, denke sie an die Menschen. „Wenn sich noch junge Leute aus nachfolgenden Generationen an die Verfolgten erinnern, hat sich die Aktion doch schon gelohnt“, sagt Holger Entzeroth.

Er findet es allerdings auch richtig, dass er vor der Verlegung um Zustimmung gebeten wurde.

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Von Silke Schäfer-Marg

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