Stolpersteine: Denken an Nachbarn von damals

Melsungen. „Sie gingen durch diese Türen“, zeigte Bürgermeister Dieter Runzheimer auf den Eingang des Hauses Burgstraße 21, „und dann waren sie nicht mehr da“. Neun Stolpersteine verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig am Mittwochmorgen in Melsungen vor drei Häusern zur Erinnerung an Juden, die einst dort wohnten.
„Menschen, die unter uns gelebt haben, die lange Zeit Wurzeln in unserer Stadt haten, die abgerissen wurden auf so brutaleWeise“, sagte Runzheimer am Ort der ersten Verlegung in der Burgstraße. Auch in der Brückenstraße, vor Haus 12 und vor der Carl-Braun-Straße 23 liegen jetzt Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer der Nationalsozialisten. Damit erhöhe sich die Zahl der Gedenksteine in Melsungen auf 25, zählte die Vorsitzender der Melsunger Stolperstein-Initiative, Dr. Renate Mahler-Heckmann auf.
„Diese Steine bleiben, weil diese Menschen zu unserer Vergangenheit, Gegenwart und auch zu unserer Zukunft gehören,“ sagte der Bürgermeister der Stadt Melsungen, die die Verlegung, organisiert von der Initiative, unterstützt.
Verfolgt wurde die Aktion durch Schüler der Klassen 9aH und 9bH der Gesamtschule Melsungen. Gern hätten sie diesen Termin mit in ihre Unterrichtseinheit aufgenommen, sagten Lehrerin Eva Stahl und ihr Kollege Markus Reuter. So werde der Nationalsozialismus mit seinen Schrecken für die Schüler greifbar, zumal einige Mädchen und Jungen selbst in der Nähe der Verlegestandorte wohnen. Sie denken an die Nachbarn von damals. (and)